Welch positive Überraschung! Statt wie ein Jahr zuvor mit Oblivion ein gänzlich auf Tom Cruise zugeschnittenes Starvehikel abzuliefern, serviert Hollywood mit Edge Of Tomorrow eines der unterhaltsamsten Werke der letzten Jahre.

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Filmkritik:

Der Film von Doug Liman (Die Bourne Identität) setzt voll und ganz auf eine nicht neue, aber nach wie vor originelle Idee und schildert seinen Sci-Fi-Plot in der Manier von Und täglich grüßt das Murmeltier: Nachdem der von Cruise gespielte Protagonist eine unliebsame Bekanntschaft mit einem Superalien machen musste und dabei starb, erlebt er diesen Tag mit jedem Tod von vorn und versucht mit zunehmendem Wissen, die Welt vor der Alieninvasion zu retten.

Im Gegensatz zur Kultkomödie mit Bill Murray verzichtet Edge Of Tomorrow auf ständige Wiederholungen des stetig selben Tages, sondern agiert deutlich intelligenter und setzt darauf, dass das Publikum die Situationen dank seines Vorwissen antizipiert. So arrangiert Limans Regie bereits bekannte Szenenschnipsel immer wieder neu, setzt die Schnitte anders und erinnert darin an Computerspiele, bei denen schwierige Passagen mittels Quickload so lange wiederholt werden können, bis der Spieler sie dank zunehmender Adaption überwindet.

Das hat zwei Nebeneffekte: Einerseits mutet die Wandlung vom schlaffen Militär-Marketingfuzzi zum kampferprobten Frontkämpfer im Gegensatz zu anderen Werken absolut nachvollziehbar an, andererseits dürfen sich Zuschauer, die Cruise weniger mögen, über rund zwei Dutzend Filmtode des sonst so unantastbaren globalen Filmstars freuen. Der Humor zählt zu den Stärken von Edge Of Tomorrow und schildert die zahllosen Fehltritte des Protagonisten Bill Cage mit süffisanter Ironie, verliert dabei jedoch auch nicht das aufrichtige Interesse an seiner Hauptfigur – in einigen elementaren Szenen vermittelt der Film durchaus ein Gefühl für die Bürde des ewigen Scheiterns.

Wie es sich für einen 175 Millionen Dollar teuren Blockbuster gehört, lässt es Edge Of Tomorrow auch ordentlich krachen und fährt vor allem in den Schlachtszenen einiges auf. Die tollen Computereffekte machen sich am ehesten in der gelungenen Darstellung der krakenartigen Aliens bemerkbar, das große Budget bei der Anzahl von Kriegsgerät und Statisten. Trotz zahlloser Explosionen und einiger Tote wirken die Kriegsszenen jedoch ein wenig zu soft, die großen Schauwerte kaschieren die auf ein PG-13-Rating hin optimierte Blutarmut nur szenenweise, wodurch es Limans Werk verpasst, mehr Dramatik zu erzeugen.

Auch das letzte Viertel des zweistündigen Films fällt etwas ab und nähert sich typischen Blockbusterkonventionen an, aber dennoch: Edge Of Tomorrow unterhält prächtig und verkörpert mit seinen gut aufgelegten Darstellern, dem visuellen Spektakel und der konsequenten Umsetzung einer interessanten Idee viele Tugenden des Hollywoodkinos, die in den letzten Jahren vermehrt dem Franchisewahn anheimgefallen sind.

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Der Science-Fiction-Film besitzt eine Vielzahl von Ausprägungen: Erdbesuche von Alien und die Erkundung fremder Planeten zählen ebenso zum Repertoire wie dystopische Dramen und Zeitreisefilme. Dabei ergeben sich oft Schnittstellen zu anderen Genres – vom Horrorfilm bis zur Komödie ist im Sci-Fi-Setting alles möglich.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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