Man lebt nur zweimal ist der fünfte Film der Bond-Reihe und der (vorerst) letzte Teil mit Sean Connery als 007. Connerys Absprung erscheint nachvollziehbar, denn nach dem mauen Vorgänger Feuerball zeigt die Formkurve der Filmserie mit Man lebt nur zweimal weiter abwärts.

Copyright

Filmkritik:

Das fünfte Bond-Abenteuer startet wie immer mit einer Pre-Title-Sequenz, die dieses Mal die Machenschaften der Geheimorganisation SPECTRE zeigt und im Weltraum stattfindet. Dort wird ein Raumfahrzeug der Vereinigten Staaten von einem größeren Pendant schlichtweg verschluckt.

Weil die Amerikaner naturgemäß die Sowjetunion als Entführer im Verdacht haben, steht die Welt einmal mehr vor einem Atomkrieg. Doch der britische Geheimdienst lokalisiert Japan als Startpunkt des unbekannten Flugobjektes – und schickt James Bond, um die Sache aufzuklären.

Damit bleibt Man lebt nur zweimal dem Patentrezept der Reihe treu und versetzt seinen britischen Gentleman in eine andere Kulturzone. Doch wo Bonds vorherige Abenteuer in der Karibik und in Istanbul die Exotik fremder Länder beschwörten, nutzt Bond Nummer Fünf den Charme Japans kaum aus. Insbesondere die erste Hälfte enttäuscht, weil sie in anonymen Gebäuden oder einer tristen Hafenanlage spielt.

Japan-Flair kommt nur sporadisch auf: Bei einem kurzen Besuch eines Sumo-Ringkampfes und beim Anblick eines schnittigen japanischen Sportwagens. Dessen ähnlich stromlinienförmige Besitzerin entpuppt sich als eines der beiden japanischen Bond-Girls des Films. Viel kann das Drehbuch nicht mit ihnen anfangen – Nummer Eins dient als love interest, Nummer Zwei als Bikini-Model.

Dass das Drehbuch insgesamt uninspiriert anmutet, überrascht aus mehreren Gründen. Immerhin stammt es aus der Feder des Schriftstellers Roald Dahl, der Stammautor Richard Maibaum ersetzte. Dahl bekam eine große künstlerische Freiheit und musste sich – erstmals in der Geschichte der Saga – nicht an den Roman von Ian Fleming halten. Gerade deshalb enttäuscht das Ergebnis, das Drehbuch wirkt seltsam roh: Die Dialoge lassen jeglichen Schliff vermissen, die Figuren besitzen keinerlei Esprit.

Während die japanischen Schauspieler sich mühen, ihren Charakteren Leben einzuhauchen, spielt Hauptdarsteller Sean Connery wie schon im Vorgänger auf Autopilot. Connerys routinierte Leinwandpräsenz trägt noch immer den Film, die leichtfüßige Coolness der ersten Teile bringt er aber nicht mehr auf.

Die heimlichen Stars des Films sind andere: Karin Dor in einem kleinen Part als einzige ambivalente Figur des Films – einer Femme fatal mit Herz – sowie Donald Pleasence als herrlich garstiger Erzbösewicht Ernst Stavro Blofeld. Es ist der vierte Auftritt des Oberschurken, doch in den vorherigen Teilen der Bond-Reihe erfasste die Kamera lediglich seine Hände.

Man lebt nur zweimal gibt Blofeld nun erstmals ein Gesicht. Dieser effektvolle Moment und die Ausstrahlung von Donald Pleasence gefallen, der Film macht jedoch zu wenig aus der Figur. Blofeld erhält kaum Spielzeit und keinerlei Funktion – er gibt ein paar Anweisungen, plaudert kurz mit Bond und flüchtet im Finale ohne Konfrontation.

Mit Man lebt nur zweimal fokussiert sich die Bond-Reihe endgültig auf Produktionsaufwand und technische Spielereien. Abgesehen von Ken Adams nach wie vor überzeugenden Kulissen sind die Schauwerte im Verlauf der letzten Jahrzehnte schlecht gealtert. Der Film von Lewis Gilbert hat sich seinen Charme bewahrt, doch selbst große Setpieces wie ein minutenlanges Feuergefecht zwischen mehreren Hubschraubern erzeugen aufgrund der biederen Inszenierung keine Spannung mehr. Die besten Actionszenen sind jene, die auf Schnickschnack verzichten und Bond zu einem Faustkampf zwingen.

Das Finale rundet den negativen Eindruck ab. Einmal mehr steht der Aufwand im Vordergrund, wenn es in der geheimen Basis von SPECTRE zu einer Schießerei mit hunderten Statisten kommt; inszenatorische oder inhaltliche Raffinessen bietet die Sequenz aber keine. Da es nicht einmal einen Endkampf gibt, verpufft Man lebt nur zweimal zum Schluss regelrecht.

Das verdeutlicht, wie nötig die Bond-Reihe nach ihrem fünften Ableger einen Umbruch hatte. Dieser wurde mit dem Nachfolger Im Geheimdienst Ihrer Majestät eingeleitet. Hier kam George Lazenby zu seinem ersten und einzigen Auftritt als 007.

0
1-Klick-Suche bei Amazon

DIE ÄRA

Die Sechziger Jahre zählen zu den revolutionärsten Jahrzehnten der Kinogeschichte. Mehrere Strömungen – die neuen Wellen – verschoben künstlerische Grenzen und modernisierten die Filmsprache. Viele Regisseure ließen die Themen der vorherigen Generationen hinter sich und drehten freiere, gesellschaftskritischere Werke.

Entdecke die Filme der Ära

DIE ÄRA

Die Sechziger Jahre zählen zu den revolutionärsten Jahrzehnten der Kinogeschichte. Mehrere Strömungen – die neuen Wellen – verschoben künstlerische Grenzen und modernisierten die Filmsprache. Viele Regisseure ließen die Themen der vorherigen Generationen hinter sich und drehten freiere, gesellschaftskritischere Werke.

Entdecke die Filme der Ära

DAS GENRE

Das Actiongenre zählt zu den ursprünglichsten Formen des Kinos. Das Medium Film begann als Show der Sensationen und findet noch heute seine Entsprechung: in aufwändigen Martial-Arts-Choreographien, rassigen Verfolgungsjagden und ausufernden Schusswechseln. Actionfilme geben uns die Möglichkeit, wieder Kind zu sein und leichtfertigem Eskapismus zu frönen.

Entdecke die Filme des Genres

Auch aus diesem Genre:

Auch aus diesem Genre:

ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

ÜBER DIE SEITE

Filmsucht.org

Neu hier?
Die Mission
Toms Geschichte

Entdecke 32 großartige Geheimtipps.

Mit FilmsuchtPLUS.

Abo starten
mehr Infos