William Blake reist aus einer Großstadt nach Westen und sieht sich nach einem Mord aus Notwehr gezwungen, vor einer Gruppe von Kopfgeldjägern zu flüchten. Nebenbei führt der vielleicht entspannteste Indianer der Filmgeschichte Blake in seine Welt ein – weg von den Bedürfnissen und Sünden der modernen Zeit, hin zur Natur, zum Spiritualismus und dem Einklang mit den kosmischen Kräften des Universums.
So entwirft der Film für uns wie für seinen Protagonisten eine Reise. Wie William Blake entstammen auch wir aus der industrialisierten Moderne und begeben uns „westwärts“. Unsere Erfahrungen helfen uns hier nicht mehr weiter, wir müssen offen sein und unseren Instinkten vertrauen. Wie Blake muss auch das Publikum lernen, loszulassen von Konventionen und seinen Frieden zu machen mit dem, was sich dann noch ergibt.
So ist Dead Man aller Genrefilmanleihen zum Trotz ein typischer Jarmusch-Film, der die Westernmotive lediglich als Folie nutzt, um über die Zuhilfenahme uramerikanischen Mythen sein Sujet zu formulieren. Dabei schwelgt der Western regelrecht in seiner Lakonie und erzählt wie vom Regisseur gewohnt lose und episodenhaft, hält viele skurrile Figuren bereit und sorgt mit seltsamen Dialogen gleichermaßen für Verwunderung wie leise Erheiterung.
Als Stellvertreter des Publikums erweist sich Hauptdarsteller Johnny Depp als Idealbesetzung. Obwohl die passive Rolle als stetig staunender Sterbender reichlich undankbar erscheint, bietet Depp eine gute Identifikationsfläche an. Am Laufen gehalten wird Dead Man indes von seiner Riege an großartigen Nebendarstellern: Hier glänzen Robert Mitchum, Iggy Pop, John Hurt, Michael Wincott, Lance Henriksen, Gabriel Byrne und Billy Bob Thornton.
Mit seiner ausgeprägten Langsamkeit, den elegischen Schwarz-Weiß-Bildern und dem minimalistischen Gitarrenscore von Neil Young zelebriert Dead Man seine gestalterische Freiheit und verweigert sich den Konventionen des Unterhaltungskinos, stellt ein interessantes Kleinod des Genres dar und eignet sich auch gut als Einstiegsfilm in das Schaffen von Jim Jarmusch.