Frau ohne Gewissen

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Filmkritik:

Es gibt unzählige großartige Film Noirs, doch nur wenige prägten die schwarze Serie derart wie Billy Wilders Frau ohne Gewissen, der auf höchstem Niveau nahezu alle Stilelemente und Archetypen zu einem Standard vereinte und damit das feste Vokabular späterer Werke zusammenstellte.

Natürlich beginnt alles mit einer Rückblende und einem Voice-Over: „I killed for money, and for a woman. I didn’t get the money and I didn’t get the woman.“ Fatalistischer lässt sich ein Filmeinstieg kaum gestalten, zumal Frau ohne Gewissen das große formale Können des eigentlich mehr wegen seiner starken Drehbücher geschätzten Wilder offenbart.

Der Regisseur verlässt sich nicht nur auf die Low-Key-Beleuchtung, sondern spielt aktiv mit Licht und Schatten und taucht die Dekors in stimmungsvolles Chiaroscuro; Wilders sogenannte Mezzo-Beleuchtung lässt selbst die wenigen Szenen, die tagsüber spielen, düster wirken wie um Mitternacht. Auch die prominente Nutzung von durch Jalousien gebrochenem Licht mag nicht für diesen Film erfunden worden sein, erst nach seiner Veröffentlichung tauchte es jedoch überall auf.

Eine der Stärken des Films liegt in seiner literarischen Qualität, die drei Meister ihres Fachs einbrachten. Frau ohne Gewissen beruht auf einer Erzählung von James M. Cain, der zuvor bereits den inzwischen zweifach verfilmten Roman Wenn der Postmann zweimal klingelt verfasste. Die Adaption übernahm niemand Geringeres als Krimilegende Raymond Chandler in seiner ersten Arbeit für Hollywood, noch bevor die großen Studios Romane wie Tote schlafen fest oder Der Tod kennt keine Wiederkehr verfilmten. Die Zusammenarbeit zwischen Chandler und Wilder lief auf persönlicher Ebene nicht besonders gut, künstlerisch befruchteten sich die beiden jedoch ungemein. Einige der besten Chandler-Dialoge des Films stammen von Wilder, und Frau ohne Gewissen enthält unzählige treffsichere Zeilen, geschmückt mit sardonischem Humor, hartem Zynismus und garstigem Spott.

Wilders Film Noir kommt mit nur einer Handvoll Figuren aus, weil diese hervorragend gezeichnet sind und die Darsteller eine tolle Chemie finden. Barbara Stanwyck agiert umwerfend als Femme fatale; Fred MacMurray als typischer, vom Glauben an die eigene Cleverness und den Verlockungen einer Frau ins Verderben gezogener Hauptdarsteller spielt die ambivalenteste Rolle seiner von good Guys dominierten Karriere; Edward G. Robinson darf in einer wichtigen Nebenrolle sein gewohnt raumgreifendes Charisma versprühen.

Zudem erweist sich Frau ohne Gewissen als überaus effektvoll, was ironisch erscheint, weil Wilder uns die entscheidenden Szenen vorenthält. Erst nimmt der Film bereits in der ersten Minute sein Ergebnis vorweg, dann lässt er uns im ersten Drittel den erotischen Flirt zwischen den Figuren von MacMurray und Stanwyck beobachten, den langerwarteten Gefühlsausbruch (und wegen des Hays-Code natürlich auch den Sex) enthält er uns jedoch vor. Im Anschluss plant das Paar in aller Ausführlichkeit einen Mord, der jedoch – in einer der spannendsten Szenen des Films – wieder abseits der Kamera geschieht. Hier verdeutlicht Billy Wilder eine der Grundtugenden des Film Noir: Weil die Gier nach Geld und Frauen immer ins Verderben führt, zählen nicht die Ergebnisse, sondern der Weg dorthin. Und selten ist die Straße in den Tod derart fatalistisch gepflastert wie in Frau ohne Gewissen.

Handlung:

Ein Versicherungsagent wird aus Liebe zum Komplizen einer gewissenlosen Frau, die ihren Mann ermorden will, um sein Vermögen zu kassieren. Phyllis Dietrichson verführt den jungen Versicherungsvertreter Walter Neff und überredet ihn, ihr bei einem Mordkomplott gegen ihren Mann zu helfen. Neff lässt eine hohe Lebensversicherung von Mr. Dietrichson unterschreiben und plant den Mord gemeinsam mit Phyllis…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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