Die Vampire

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Filmkritik:

Die Vampire ist das, was man heutzutage eine Mini-Serie nennen würde: Mit dem zehn Episoden und eine Gesamtlaufzeit von nahezu 400 Minuten umfassenden Werk prägte Regisseur Louis Feuillade unser Kino nachhaltig und sorgt nebenbei auch noch für einen Heidenspaß.

Noch einige Jahre vor Fritz Langs ähnlich gelagerten, großartigen Mabuse-Filmen drehte Feuillade sein Werk 1915 und 1916 wie einen Prototyp heutiger Blockbuster-Franchises mit in sich abgeschlossenen Episoden. Von blutsaugenden Fantasygestalten handelt Die Vampire übrigens nicht – der Name deckt sich mit einer Verbrecherorganisation, in der sich jeder Bond-Bösewicht direkt zuhause fühlen würde. Die Schurken tun nichts anderes, als zahlreiche Ränke zu schmieden, um Reichtum und Macht anzuhäufen. Als Held und Gegenspieler entpuppt sich ein Journalist, der immer wieder in das Treiben der Vampire hineingezogen wird.

Louis Feuillade führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch und konnte sich in dem Wissen um die enorme Spielzeit so richtig austoben. In bester Groschenromantradition versammelte er verschiedenste Interessengruppen, dutzende Bösewichter und bestimmt hundert Nebenfiguren. Hier wird auch schnell deutlich, dass Feuillade ohne große inhaltliche Vorausplanung arbeitete und während der Dreharbeiten oftmals spontanen Eingebungen vertraute. Die Vampire wirkt wie eine Achterbahnfahrt, bei der Feuillade als sprunghafter Baumeister immer nur einige Meter voraus noch die Schienen verlegt. Zu spüren bekam das einer Anekdote nach auch der Darsteller eines wichtigen Schurken, der sich seines Ranges sicher war und es auf eine Meinungsverschiedenheit mit Feuillade ankommen ließ. Dieser warf ihn schlichtweg aus der Geschichte und schickte ihn mal eben in den Figurentod.

Dieser Arbeitsweise entsprechend, schlingert die Handlung kapriolenhaft und munter wie ein weintrunkener Franzose durch diverse Plotbauteile und häuft eine erstaunliche Anzahl von liebenswerten Verrückheiten an: Dutzende Geheimtüren, unzählige Maskierungen, ungewöhnliche Mordinstrumente, Hypnose, Überfälle, Schießereien, zig Todesfälle und diverse Entführungen werden mit Wonne aneinander gereiht.

Die Vampire mag technisch nicht so ausgereift sein wie die Werke seiner Zeitgenossen Griffith, Murnau oder Lang – am ehesten wäre Feuillade vielleicht mit Steven Spielberg zu vergleichen, für den Technik auch eher ein Mittel zum Zweck der besseren Unterhaltung darstellt – doch die sprudelnde Kreativität, die Unvorhersehbarkeit und Cliffhanger, die liebenswerten Protagonisten und die zahllosen Überraschungen sorgen für glänzende Unterhaltung und eine tolle Filmerfahrung.

Handlung:

Frankreich im Jahr 1915: Die Vampire, eine skrupellose Verbrecherorganisation, versetzen Paris in Angst und Schrecken. Der Journalist Philippe Guérande versucht, den Mord an einem Polizeiinspektor aufzuklären und verstrickt sich immer mehr in einen tödlichen Kampf mit der Bande, die fortan Attentate und Entführungsversuche unternimmt, um ihn zum Schweigen zu bringen.

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-15T23:20:14+00:00

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