In Japan zählt Keisuke Kinoshitas Vierundzwanzig Augen fest zum Kanon der besten Werke der japanischen Filmgeschichte, doch hierzulande wartet Kinoshitas Meisterwerk immer noch auf seine Entdeckung – und die lohnt sich ungemein!

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Filmkritik:

Kinoshitas zwei Jahrzehnte (1928 – 1948) umspannendes Porträt einer Lehrerin und ihrer Schüler unterteilt sich in drei verschiedene Kapitel, die durch längere Zeiträume (und den Zweiten Weltkrieg) getrennt werden. Gerade in der zweiten Filmhälfte, wenn sich der für Japan verheerende Krieg andeutet und dessen Auswirkungen am Ende von Vierundzwanzig Augen deutlich werden, entfaltet Kinoshitas Werk eine große emotionale Kraft und unheimlich viel Tragik.

Die Grundlagen dafür legt der Film, indem er sich von Anfang an auf seine Figuren ausrichtet und auf ablenkendes Beiwerk verzichtet. Hier fährt Kinoshita zu Beginn vielleicht etwas zu viel Sentiment auf und erfordert einiges Einfühlungsvermögen seitens des Publikums und auch etwas Geduld (die Laufzeit beträgt zweieinhalb Stunden), doch belohnt Vierundzwanzig Augen dies mit Szenen, denen eine überaus starke Menschlichkeit innewohnt, das Geschehen wird auf nahe gehende Weise geschildert.

Zudem stellt Vierundzwanzig Augen vielleicht einen der besten Anti-Kriegsfilme dar, weil er ein elementares Problem des Genres löst – wo andere Anti-Kriegsfilme in der Regel den Krieg darstellen und dramatisch zuspitzen müssen, also gewissermaßen zuschauerkompatibel zeigen, was nicht einmal menschenkompatibel ist, wirkt Vierundzwanzig Augen wie die perfekte Antithese – das Publikum sieht sich mit den unwahrscheinlich traurigen Konsequenzen des Krieges konfrontiert, ohne diesen jemals zu Gesicht zu bekommen. Die Schrecken, die sich irgendwo in der weiten Welt abspielen, reichen bis in die kleine, beschauliche Provinz Japans und ändern selbst dort alles.

Die wie so oft herausragende Leistung von Hauptdarstellerin Hideko Takamine (auch zu sehen in Mikio Naruses Meisterwerken When A Woman Ascends The Stairs und Floating Clouds) und die hervorragenden handwerklichen Aspekte runden den Sehgenuss noch ab – Vierundzwanzig Augen bleibt lange im Gedächtnis.

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DIE ÄRA

In den Fünfziger Jahren befanden sich die weltweiten Studiosysteme auf dem Zenit ihrer Schaffenskraft. In den Vereinigten Staaten, Japan und Frankreich versammelten die Studios eine ungeheure Menge an Talent und veröffentlichten dank des geballten Produktionsniveaus zahllose Meisterwerke. Einen gewichtigen Anteil daran ist auch den Regisseuren zuzuschreiben, die sich innerhalb des Systems Freiheiten erkämpften und so ihr Potenzial ausspielen konnten.

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DAS GENRE

Obwohl das Genre auf ein spezifisches Thema festgelegt ist, bieten sich dem Betrachter eine Vielzahl Subtexte und Motive. Während Kriegsfilme sich vornehmlich auf Abenteuer, Kameradschaft und Heldenmut konzentrieren, eröffnen sich im Antikriegsfilm eine Vielzahl von Themen: Moral und Menschenrechte, der Horror und die Absurdität des täglichen Grauens oder die perverse Systematik dahinter.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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