Nur drei Bedürfnisse hat die junge Witwe Keiko: Sie möchte ihre Familie finanziell unterstützen, eine eigene Bar eröffnen und einen Ehemann finden. Doch das Drehbuch offenbart schnell, wie ihre Wünsche untrennbar verbunden sind – wenn Keiko ihre Familie unterstützt, kann sie nichts für eine Bar ansparen, sodass sie einen gut betuchten Ehemann finden muss, für den ihr gesellschaftlicher Rang dann jedoch zu niedrig wäre, solange sie keine Geschäftsfrau mit eigener Bar ist… ein Teufelskreis!
Dramaturgisch hat When a Woman Ascends the Stairs einiges zu bieten, setzt immer wieder zarte Hoffnungsschimmer und dokumentiert brutale Schicksalsschläge, ohne dabei im schlechten Sinne melodramatisch oder auch nur ansatzweise konstruiert zu wirken. Da die männlichen Nebenfiguren, die Keiko fortwährend enttäuschen, nie zu herzlosen Antagonisten verkommen, sondern ebenso differenziert ausgearbeitet werden wie die Protagonistin, bleibt dem Publikum nichts anderes übrig, als auch die Bedürfnisse und Probleme der Männer hinzunehmen, wie es Keiko tun muss.
Die Protagonistin wächst uns ohnehin bereits nach wenigen Minuten ans Herz – Hauptdarstellerin Hideko Takamine vollbringt eine Glanzleistung, spielt mit großer Subtilität und nimmt trotzdem den gesamten Film für sich ein.
Naruses Handwerkskunst tut ihr Übriges – in den Widescreenbildern lässt er Keiko verloren und einsam wirken; Perspektivwahl und Schnitt erweisen sich als überaus effektvoll und treffen in jeder Szene den richtigen Ton und sorgen für eine dichte Atmosphäre. When a Woman Ascends the Stairs berührt ungemein und zählt zu den besten Melodramen der Filmgeschichte.