Spartacus

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Filmkritik:

Spartacus ist das Produkt einer Enttäuschung: Nachdem Kirk Douglas eine Absage für die Hauptrolle in William Wylers Ben Hur erhalten hatte und mit ansehen musste, wie der seinerzeit mit 15 Millionen Dollar Produktionskosten teuerste Film der Kinogeschichte sagenhafte elf Oscars gewann, drehte Douglas als ausführender Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion sein „eigenes“ Epos.

Douglas‘ Ehrgeiz, gepaart mit seiner Entscheidungsgewalt, sorgte für Licht und Schatten. Einerseits ignorierte er die schwarze Liste Hollywoods und heuerte den als Kommunisten gebrandmarkten Drehbuchautoren Dalton Trumbo an, was letztlich das inoffizielle Arbeitsverbot der McCarthy-Ära kippte; andererseits musste Regisseur Anthony Mann nach wenigen Tagen aufgrund von künstlerischen Differenzen seinen Hut nehmen. Als Nachfolger verpflichtete Douglas den erst 31-jährigen Stanley Kubrick, mit dem er bereits bei Wege zum Ruhm erfolgreich zusammengearbeitet hatte.

Doch auch Kubrick musste sich mit seinem Hauptdarsteller und Produzenten arrangieren, was dem eigensinnigen Filmemacher missfiel – Spartacus blieb seine erste und einzige Auftragsarbeit für Hollywood und veranlasste ihn, spätere Werke ausschließlich mit eigener kreativer Kontrolle zu drehen. Ob sich Spartacus aufgrund der fortwährenden Einmischung Douglas‘ nicht wie ein typischer Kubrick-Film anfühlt, oder weil der Regisseur hier seinen markanten Stil noch nicht so konsequent entwickelt hatte, sei mal dahingestellt; so oder so fehlt es an Kubricks Pointiertheit, an Details, an elegischer Kameraarbeit und akribisch akzentuierter Bildgestaltung. Wie ein Historienfilm von Kubrick aussehen kann, illustriert Barry Lyndon, der Spartacus auf jedem inszenatorischen und visuellen Gebiet schlägt.

Interessanter ist da schon Trumbos Drehbuch, das sich ironischerweise auf für Hollywoodverhältnisse Unwesentliches konzentriert. Mehr als eine Stunde nimmt sich das Script Zeit, das Wesen der Sklavenökonomie zu schildern und das Leben der Gladiatoren. Es wird wenig gesprochen und viel ertragen, bevor es zum Aufstand kommt. Doch auch danach verzichtet Spartacus über weite Strecken auf Actionszenen. Das fördert nicht unbedingt die Spannung, setzt aber die Akzente zugunsten „großer“ Themen wie Freiheit, Menschlichkeit und Ehre. Dass der Plot sich nebenbei spielend als Kampf der Arbeiter gegen das (römische) Großkapital lesen lässt, hat Trumbo sicherlich in Kauf genommen, aber nicht initiiert; bereits 100 Jahre vor Kubricks Film würdigte Karl Marx den Helden als „famosesten Kerl, den die ganze antike Geschichte aufzuweisen hat“, was in kommunistischen Ländern entsprechend aufgenommen wurde.

Nach dem guten ersten und dem soliden zweiten Drittel überzeugt der letzte Akt des dreistündigen Films am wenigsten, der Erzählfluss geht verloren und macht deutlich, wie abhängig der Film von seinen Darstellern ist. Allerdings überzeugt das Ensemble ausnahmslos: Kirk Douglas‘ Charisma reicht für die Hauptrolle, während Laurence Olivier einen ausgezeichneten Bösewicht abgibt und der Film in Peter Ustinov, Tony Curtis, John Gavin, Jean Simmons und dem wie immer wunderbar schalkhaft-energischen Charles Laughton großartige Nebendarsteller vorweisen kann. Die gut aufgelegten Akteure verhindern, dass Spartacus zum staubigen Sandalenfilm gerät.

Handlung:

Wegen seiner Aufsässigkeit verkauft der Betreiber eines Steinbruchs seinen Sklaven Spartacus, der fortan in Capua zum Gladiator ausgebildet wird. Die Schule ist hart, doch zumindest werden die Männer hier besser behandelt und müssen nicht auf Leben und Tod, sondern lediglich zur Übung miteinander kämpfen. Doch als der römische Prätor Crassus die Ausbildungsstätte besucht und vehement einen blutigen Kampf fordert, begehren die Sklaven auf und wehren sich. Der Sklavenaufstand um Spartacus wächst und wächst, bis das römische Imperium seine Armeen entsendet…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-08-21T10:54:10+00:00

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