A Cottage On Dartmoor

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Filmkritik:

Mal abgesehen von dem einen oder anderen sehr frühen Werk von Alfred Hitchcock werden britische Stummfilme eher selten erwähnt, wenn es um die besten Vertreter ihrer Zeit geht. Zu diesen gehört A Cottage On Dartmoor jedoch definitiv, sodass es einzig dem unglücklichen Zeitpunkt seines Erscheinens zugeschrieben werden kann, warum es das während des Übergangs von Stumm- zum Tonfilm veröffentlichte Drama zu so wenig Ruhm bringen konnte.

Zunächst muss A Cottage On Dartmoor als Werk eines frühen Auteurs angesehen werden: Anthony Asquith, der bedauerlicherweise in seiner späteren Karriere nur noch mäßige Bühnenadaptionen realisierte, war Ende der zwanziger Jahre nicht nur der privilegierte Sohn des amtierenden Premierministers von England, sondern zudem in der Lage, deutsche, russische und amerikanische Stummfilme zu sehen und wenig später eigene Werke zu drehen. Seine cineastische Vorbildung schlug sich direkt in A Cottage On Dartmoor nieder. Außerdem besaß Asquith die Freiheit, auf alle gestalterischen Elemente Einfluss nehmen zu können.

Optisch wirkt sein Film wie eine subtilere Variante des Expressionismus, kommt nicht so überladen daher wie die zehn Jahre zuvor entstandenen deutschen Vertreter, rahmt seine realistischen Kulissen dennoch latent bedrohlich ein und zeigt buchstäblich die Schattenseiten seiner Schauplätze.

Vor allem aber wurde Asquith sichtlich von der russischen Montage und dem suggestiven Filmschnitt von Sergei Eisenstein beeinflusst und vollbringt in A Cottage On Dartmoor sogar das Kunststück, diesen zu übertreffen. Beispielhaft ist etwa eine Szene, in der der eifersüchtiger Barbier dem Günstling seiner Angebeteten ein Rasiermesser an die Kehle drückt: Asquith schneidet blitzschnell ein reißendes Stahlseil sowie donnernde Geschützrohre zwischen die wütenden Gesichtsausdrücke des Barbiers, um anschließend den Schnitt durch das Rasiermesser mit einem Filmschnitt zu suggerieren, wie es Hitchcock erst dreißig Jahre später in der berühmten Duschszene von Psycho nachmachte. Anschließend sehen wir, wie der Verletzte sowie ein Flakon mit dunkler Flüssigkeit zu Boden fallen. Nun schneidet Asquith auf den Flakon, dessen Flüssigkeit hinausläuft wie Blut aus einem Körper… Handwerklich ist A Cottage On Dartmoor derart elegant, dass es dem Zuschauer schlicht den Atem raubt; die Narration setzte Maßstäbe und nötigt zu weiteren Beispielen: Erwähnenswert ist auch, dass es dem Film gelingt, seine zwei Zeitebenen äußerst geschickt nur durch eine einzige Texttafel miteinander zu verbinden.

Gleichzeitig vermag es Asquith, seiner Filmbesessenheit zu huldigen und lässt ganze zwölf Minuten während einer Kinovorstellung stattfinden. In diesen zwölf Minuten, in denen der Protagonist seine Herzensdame bei einer Verabredung mit einem anderen Mann beobachtet, beschleunigt sich der Schnitt anfangs unmerklich und steigert sich letztlich zu einem Schnittfeuerwerk, dass die Emotionen des immer wütender werdenden Beobachters zu visualisieren.

Die mit überraschend fatalistischer Tonalität erzählte Geschichte ist zwar im Kern eher simpel, kann aber neben den grundlegenden dramatischen Elementen sogar mit einiger Situationsspannung aufwarten, die wieder an Asquiths Zeitgenossen Hitchcock erinnert.

Es ist bewundernswert, wie dynamisch und modern A Cottage On Dartmoor noch heute anmutet. Das Werk von Anthony Asquith bietet handwerklich atemberaubende Stummfilmkost und überzeugt auf ganzer Linie.

Handlung:

Als Sally aufschaut und in einer finsteren Ecke der Küche ihres kleinen Landhauses die böse dreinschauende Gestalt sieht, weiß sie schon, dass der Mann sie ermorden will – er ist kein Fremder. Ihr Aufschrei verbindet sich mit ihrer Erinnerung, die A Cottage On Dartmoor im folgenden schildert: Wie der unscheinbare Barbier Sally den Hof macht, wie sie sich für einen anderen Mann entscheidet und welch grässliche Tat dazu führte, dass der eifersüchtige Barbier in das Gefängnis kam, aus dem er nun ausgebrochen ist, um Sally in ihrem abgeschiedenen Landhaus einen Besuch abzustatten…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-19T23:01:43+00:00

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