Wildwechsel

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Filmkritik:

Weil Wildwechsel für das Fernsehen produziert wurde, besinnt sich Rainer Werner Fassbinder zurück auf seine Anfänge: Obwohl es bereits das vierzehnte Werk in der Filmografie des Ausnahmeregisseurs ist, erinnert die schlichte Bildgestaltung an Katzelmacher oder andere frühe Filme, ohne deren strengeren Formalismus zu übernehmen.

Stattdessen verhandelt Wildwechsel einmal mehr typische Fassbinder-Themen. Auf einem Theaterstück basierend, skizziert der Regisseur wieder einmal eine schematische Welt ohne Wärmung und Bindung, in der Wünsche immer unerfüllt bleiben, weil äußere gesellschaftliche Konventionen das freie Entfalten des Individuums verhindern oder ihm zumindest mit Unverständnis begegnen. Die 14-jährige Protagonistin findet zu keinem Zeitpunkt eine Möglichkeit, mit ihren Eltern zu kommunizieren – hier wird geblockt, geschimpft und abgewunken, jedoch nie zugehört oder reflektiert.

Die unprätentiöse Form überdeckt zwar szenenweise die intelligente, facettenreiche Auseinandersetzung mit den Figuren und die damals 18-jährige Eva Mattes erweist sich als deutlich zu alt für ihre Rolle, doch das gute Schauspiel und Fassbinders geschickt gesetzten inhaltlichen Akzente helfen darüber hinweg. Die Skandalträchtigkeit von 1973 (insbesondere Mattes‘ Nacktszenen sorgten für Kontroversen) mag sich inzwischen verflüchtigt haben, doch Fassbinders Angriff auf kleinbürgerliche Werte überzeugt noch heute, weil Klischees vermieden werden und Wildwechsel damit sehr wahrhaftig wirkt. Die Schlussszene bleibt in Erinnerung.

Handlung:

Hanni ist schon 14 Jahre alt und der Meinung, sie sollte nun wie eine Erwachsene behandelt werden, doch ihr Umfeld sieht das ganz anders und behandelt sie nach wie vor wie ein Kind. Als sie Franz kennen lernt, der fünf Jahre älter ist, schläft sie mit ihm und wird schwanger. Wegen Verführung einer Minderjährigen muss Franz dann jedoch ins Gefängnis und das junge Glück ist bedroht…

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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