Wildwechsel

Genre: Drama

 | Strömung: Neuer Deutscher Film

 | Erscheinungsjahr: 1973

 | Jahrzehnt: 1970 - 1979

 | Produktionsland: Deutschland

 

Weil Wildwechsel für das Fernsehen produziert wurde, besinnt sich Rainer Werner Fassbinder zurück auf seine Anfänge: Obwohl es bereits das vierzehnte Werk in der Filmografie des Ausnahmeregisseurs ist, erinnert die schlichte Bildgestaltung an Katzelmacher oder andere frühe Filme, ohne deren strengeren Formalismus zu übernehmen.

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Filmkritik:

Stattdessen verhandelt Wildwechsel einmal mehr typische Fassbinder-Themen. Auf einem Theaterstück basierend, skizziert der Regisseur wieder einmal eine schematische Welt ohne Wärmung und Bindung, in der Wünsche immer unerfüllt bleiben, weil äußere gesellschaftliche Konventionen das freie Entfalten des Individuums verhindern oder ihm zumindest mit Unverständnis begegnen. Die 14-jährige Protagonistin findet zu keinem Zeitpunkt eine Möglichkeit, mit ihren Eltern zu kommunizieren – hier wird geblockt, geschimpft und abgewunken, jedoch nie zugehört oder reflektiert.

Die unprätentiöse Form überdeckt zwar szenenweise die intelligente, facettenreiche Auseinandersetzung mit den Figuren und die damals 18-jährige Eva Mattes erweist sich als deutlich zu alt für ihre Rolle, doch das gute Schauspiel und Fassbinders geschickt gesetzten inhaltlichen Akzente helfen darüber hinweg.

Die Skandalträchtigkeit von 1973 (insbesondere Mattes‘ Nacktszenen sorgten für Kontroversen) mag sich inzwischen verflüchtigt haben, doch Fassbinders Angriff auf kleinbürgerliche Werte überzeugt noch heute, weil Klischees vermieden werden und Wildwechsel damit wahrhaftig wirkt. Die Schlussszene bleibt in Erinnerung.

★★★★☆☆

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Rainer Werner Fassbinder

Rainer Werner Fassbinder zählt zu den wichtigsten deutschen Regisseuren und gilt als Vorreiter des Neuen Deutschen Films. Fassbinder lebte für das Kino und arbeitete ununterbrochen. Obwohl er mit nur 37 Jahren starb, umfasst seine Vita mehr als 40 Spielfilme und zwei TV-Serien. Der Regisseur vereinte seine Vorliebe für Genrefilme und Melodramen mit klugen, oft kritischen Beobachtungen gesellschaftlicher Entwicklungen.

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Neuer Deutscher Film

Der Neue Deutsche Film grenzte sich vom populären Unterhaltungskino ab. Die Regisseure der Strömung arbeiteten unabhängig von den Studios und drehten als Autorenfilmer Werke mit vornehmlich gesellschaftlichen und politischen Bezügen. Neben der inhaltlichen Neuorientierung suchte der Neue Deutsche Film auch nach anderen Ausdrucksformen und setzte dem konventionellen Kino sowohl poetischere als auch radikalere Bilder entgegen.

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