Seit seinem erfolgreichen Debütfilm Kids, der 1995 erschien, drehte Clark immer wieder Variationen desselben Themas. Wo der Regisseur sein Sujet in Ken Park (2002) zumindest noch anreichern konnte, scheint er mit The Smell of Us an einem Endpunkt angelangt zu sein. Nach wie vor gelingt es dem Amerikaner, seine Empathie für die Teenager auszudrücken, inhaltlich wie stilistisch überzeugt der Film jedoch nicht.
Das liegt weniger an der Tatsache, dass Clark noch weniger als gewohnt auf eine konventionelle Erzählung setzt und seine Charaktere sich nur noch in fragmentarischen Alltagsszenen bewegen; allerdings kann The Smell of Us keine Zusammenhänge mehr zwischen dem Gezeigten und dem thematischen Überbau herstellen. Wo Kids und Ken Park Ausschnitte aus dem Leben der Jugendlichen noch als beispielhaft und stellvertretend für gesamtgesellschaftliche Probleme nutzen, lässt sich in The Smell of Us kein essenzielles Thema mehr finden.
Statt größerer Wahrheiten zutage zu befördern, zerfasert sich der Inhalt zunehmend. Zwar updatet Clark sein Sujet, weil sich zum obligatorischen Wertverlust der Jugendlichen ein Konsumfetisch gesellt, der zu früheren Zeiten undenkbar gewesen wäre, davon abgesehen reiht The Smell of Us jedoch zunehmend beliebig Themenbausteine aneinander: Prostitution, Pornografie, Orientierungslosigkeit und fehlende Wärme. Einen Schritt weiter geht Clark auch bei der Charakterisierung der Eltern. In Kids kamen sie nicht vor und in Ken Park hatten sie Schwächen, doch hier mutieren sämtliche Erwachsene nun zu degenerierten Horrorfilmgestalten. Damit gelingen dem Regisseur zwar einige unangenehme Szenen, im weiteren Verlauf wirken die alten Männer und Frauen allerdings unfreiwillig komisch und bewegen sich fernab jeder Nachvollziehbarkeit.
Auch formal enttäuscht The Smell of Us und versucht vergeblich, durch den Einsatz von Handykameras und digitalen Bildern einen subjektiven und damit vermeintlich authentischen Zeitgeist wiederzugeben. Die zahlreichen Close-Ups können jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass Clark dieses Mal keine Nähe zu seinen Figuren findet. Seine Hingabe an die Körper der jungen Darsteller grenzt spätestens dann ans Absurde, wenn er in beinahe jeder Szene den Schritt junger Männer in Großaufnahme einfängt.
71 Jahre alt war Clark, als The Smell of Us erschien. Beinahe zwei Jahrzehnte, nachdem sich der Filmemacher mit Kids als Sprachrohr einer ganzen Generation Jugendlicher in der Filmgeschichte verewigte, scheint er sein Thema zur Gänze ausbuchstabiert zu haben. Kein schlechtes Fazit einer Karriere und ein guter Moment, um in Rente zu gehen.