Crash

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Filmkritik:

Selbst im vielfältigen Schaffen von David Cronenberg nimmt Crash eine Sonderstellung ein und markiert vielleicht den Punkt, an dem sich der Kanadier am weitesten von allen herkömmlichen Konventionen entfernte. Sich eng an die kontroverse literarische Vorlage des renommierten Sci-Fi-Autoren J.G. Ballard haltend, entwirft Cronenberg eine abgründige, durch und durch sexualisierte Parallelwelt inmitten unserer Realität.

Im Gegensatz zum Roman, der das Tun seiner Figuren zumindest etwas zu ergründen versucht, gibt sich Crash keine Mühe, etwas zu erklären: Die lose Narration schildert Zustände, keine Handlungen. Hier ist das Publikum gefordert, es gilt, sich ebenfalls in einen Zustand zu begeben, der zulässt, die Erfahrungen des Films ohne inneren Widerstand aufzunehmen, denn mit einem Spannungsbogen, einem hohen Tempo oder dramatischen Entwicklungen wartet Crash nicht auf.

Paradoxerweise – der seltsamen sexuellen Auswüchse zum Trotz – ist Crash jedoch ein überaus sinnliches Werk in der Hinsicht, dass es Cronenberg auf hypnotische Weise gelingt, das Geschehen fühlbar zu machen, die Mischung aus Benzindünsten, Schweiß und Kunstleder zu transportieren. Besonders die sehr gelungene Tonebene trägt dazu bei und entwickelt einen enormen Sog. Crash ist Kino abseits jeder Moral, er scherrt sich auch nicht um das Ästhetikempfinden des Publikums, sondern zwingt den Zuschauer, sich Hals über Kopf hineinzustürzen in diese lose Aneinanderreihung von Momenten der Selbstzerstörung und der körperlichen Vereinigung, wie es auch die Protagonisten tun.

Gar nicht genug gelobt werden können die Darsteller, die ihre schwierigen Rollen meistern und einigen Mut bewiesen. Während James Spader, Holly Hunter und Deborah Unger jeweils ihre Images diversifizierten, verhalf Crash Elias Koteas nach seinem Auftritt in Atom Egoyans Exotica endgültig zum Durchbruch – sein Vaugh, ein im Auto lebender Messias, er orgastische Tode predigt, reißt jede Szene an sich.

Crash ist unbequem und seltsam, provokant und verschlossen, aber auch ungeheuer atmosphärisch inszeniert und von allem Herkömmlichen befreit – der Film fügt sich thematisch nahtlos in das Gesamtwerk von Cronenberg ein und bietet aufgeschlossenen Filmfans eine Erfahrung, die sich einbrennt.

Handlung:

Die Ehe von Filmproduzent James Ballard und seiner Frau Catherine ist am Ende. Das Einzige, was sie noch verbindet, ist gelegentlicher emotionsloser Sex miteinander und die zahlreichen Affären nebenbei, über die dem Ehepartner detailliert berichtet wird. In Folge eines Autounfalls beginnt James eine Affäre mit Helen, der Fahrerin des Unfallwagens, und entdeckt dabei die sexuelle Anziehungskraft, die Unfallszenarien auf die beiden haben. Ihre erotische Leidenschaft für quietschende Reifen und zersplitterndes Glas teilen sie schon bald mit anderen Unfall-Fetischisten.

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-15T15:06:59+00:00

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