In schöner Regelmäßigkeit nennen Kritiker Die Reise nach Tokio, wenn nach den besten Filmen aller Zeiten gefragt wird. Es ist die berühmteste Arbeit des japanischen Autorenfilmers Yasujiro Ozu, der seinen unverwechselbaren Stil in diesem Werk am besten zur Geltung bringt. Mittels einer reduzierten Inszenierung erkundet Ozu bedeutsame menschliche Tiefen.

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Filmkritik:

Dabei setzt der Regisseur auf eine einfache Prämisse: Die Reise nach Tokio schildert den Besuch eines alten Ehepaares bei ihren erwachsenen Kindern. Vordergründig passiert in der 136-minütigen Spielzeit nicht viel: Die Familienmitglieder tauschen nette Worte aus, essen zusammen, verbringen Zeit miteinander. Die Kinder schicken ihre Eltern für einige Tage in ein Kurbad, schließlich fahren die alten Herrschaften wieder zurück nach Hause aufs Land.

Ozus kontemplative Inszenierung spiegelt das Geschehen: Die charakteristische, statische Kamera verharrt wie immer auf Augenhöhe einer am Boden sitzenden Person, die Schauspieler agieren zurückhaltend, die musikalische Untermalung beschränkt sich auf ein Minimum. Doch hinter dieser unspektakulären Fassade steckt ein Universum an menschlichen Emotionen und zu ergründenden Themen.

In seinem Kern betrachtet Die Reise nach Tokio den unüberbrückbaren Generationenkonflikt zwischen den Protagonisten. Aufgrund der japanischen Kultur des Immer-Lächelns thematisieren weder die Eltern noch ihre Kinder den Konflikt, doch Ozus bravouröse Regie versetzt uns Zuschauer in die Lage, die vielen Risse im Gefüge der Familie zu entdecken.

Niemand geht so richtig glücklich aus dem Treffen hervor. Die Kinder können mit ihren Eltern wenig anfangen und empfinden den Besuch als zusätzliche Bürde für ihren Alltag. Unter dem Mantel der Höflichkeit bitten sie die alten Leute, „sich doch etwas auszuruhen“, ein Bad zu nehmen oder sich die Stadt anzusehen – alles passive Tätigkeiten, die den Kindern Abstand zu ihren Eltern verschaffen. Als das die Leere zwischen den Generationen nicht mehr verschleiern kann, schicken die Gastgeber das alte Ehepaar auf eine Kur, was den Besuch endgültig konterkariert.

Die Idee für seinen Film erhielt Ozu durch einen US-Klassiker aus dem Jahr 1937: Leo McCareys Kein Platz für Eltern erzählt eine ähnliche Geschichte. Doch gerade der Vergleich der beiden Werke offenbart die Vorzüge des japanischen Vertreters. Wo Kein Platz für Eltern das Thema des Generationenkonflikts offensiv angeht, sich danach ausrichtet und daran abarbeitet, wählt Yasujiro Ozu einen komplett gegensätzlichen Ansatz.

Die passive Herangehensweise des Regisseurs erzeugt die Dramatik nicht künstlich, sondern von innen heraus. Ozu vermittelt uns das Bewusstsein für ein Thema und gewinnt über die behutsame Annäherung eine Wahrhaftigkeit, die der amerikanischen Melodramatik weit überlegen ist. Der japanische Regisseur arbeitet sein Sujet nicht ab, sondern trägt es in unser Herz, wo es Echos erzeugt, die über das Filmende hinaus nachhallen. So entpuppt sich Die Reise nach Tokio nicht als Film über ein Problem, sondern über das Leben.

Mir gefallen Ozus thematisch spezifischere Werke wie Ein Herbstnachmittag noch ein Stück mehr, doch in Die Reise nach Tokio kommt der charakteristische Inszenierungsstil des Japaners am besten zur Geltung. Der einzigartige Blickwinkel dechiffriert das soziale Miteinander: Jeder Blick und jede Geste erhalten eine sorgsam nuancierte Bedeutung. Der Einsatz der musikalischen Untermalung, die bemerkenswerte Mise en Scène und die guten Schauspieler tragen ihren Teil dazu bei.

In der Summe weist uns Ozu den Weg hinter die Fassade des Alltäglichen und breitet ein Panoptikum menschlicher Emotionen vor uns aus. Wenn die fantastische Setsuko Hara lächelnd in die Kamera blickt und feststellt, wie enttäuschend das Leben sein kann, und wir ihren still schreienden Schmerz fühlen, begreifen wir, dass Yasujiro Ozu ein großer Kenner der Menschen und ein unumstrittener Meister der Kinokunst ist.

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DER REGISSEUR

Yasujiro Ozu zählt zu den unbestrittenen Meistern der Kinogeschichte und zu den „großen Vier“ der japanischen Regisseure. In seinen feinfühligen Familiendramen sinniert Ozu über die großen Themen des Lebens und setzt dabei auf eine charakteristische Inszenierung: Die unbewegliche Kamera nimmt die Perspektive einer sitzenden Person ein und zieht uns damit automatisch ins Geschehen.

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DER REGISSEUR

Yasujiro Ozu zählt zu den unbestrittenen Meistern der Kinogeschichte und zu den „großen Vier“ der japanischen Regisseure. In seinen feinfühligen Familiendramen sinniert Ozu über die großen Themen des Lebens und setzt dabei auf eine charakteristische Inszenierung: Die unbewegliche Kamera nimmt die Perspektive einer sitzenden Person ein und zieht uns damit automatisch ins Geschehen.

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