Ken Park

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

Mit Ken Park führt der Regisseur Larry Clark die Verarbeitung seiner bevorzugten Themen nahtlos fort und widmet sich sieben Jahre nach seinem kontroversen Erfolg Kids erneut den Problemen Jugendlicher.

Wie schon in seinem Debütfilm konfrontiert Clark sein Publikum auch in Ken Park direkt zu Beginn mit einer richtungsweisenden Sequenz. Ken Park ist der Name eines Teenagers, den wir zu treibender Musik beim Skateboarden beobachten. Dann setzt er sich auf eine Parkbank, richtet eine Videokamera auf sich und anschließend eine Waffe. Selbstmord durch Kopfschuss.

Es ist der Auftakt eines Episodenfilms, der in vier Handlungssträngen das Leben von Jugendlichen aus einem Vorort von Los Angeles beobachtet. Dabei geht Clark deutlich konsequenter vor als in Kids: Wo dieser keine konkrete Haltung einnahm und die Ursachenforschung für die Probleme der Jugendlichen den Zuschauern überließ, weist Ken Park die Schuld ganz klar den Eltern der Teenager zu und lässt kein gutes Haar an den Erziehungsberechtigten. Sie drangsalieren ihre Kinder verbal und körperlich, können sich nicht in sie hineinversetzen und finden keine störungsfreie Kommunikation. Hier erweist es sich als schöne Idee, die Jugendlichen von Laiendarstellern spielen zu lassen, während die Erwachsenen von Profis dargestellt werden. Letztere agieren deutlich abgeklärter, was eine spürbare Distanz zwischen den Eltern und ihren Kindern schafft.

Selbst das bürgerliche Milieu wird pessimistisch dargestellt. Hier setzt es zwar keine Schläge für die Heranwachsenden, der Film kommentiert die Verhältnisse dennoch wunderbar treffsicher, wenn er ein uramerikanisches Klischee vereinnahmt. Da heiratet die schöne Cheerleaderin den örtlichen Footballstar, doch nach 15 Jahren Ehe kann sich die nun zweifache Mutter nur noch über ihre Leere hinweghelfen, indem sie mit dem minderjährigen Freund ihrer Tochter schläft, um sich wieder jung zu fühlen.

Diese deftigen Szenarien stammen erneut aus der Feder des Kids-Autoren Harmony Korine, der seine Fassung zur weiteren Überarbeitung an Clark verkaufte. Die Geschehnisse des Films mögen vor allem in der Summe durchaus etwas übertrieben oder zu konstruiert wirken, doch da die Episoden voneinander unabhängig verlaufen, lassen sich ihre Protagonisten als beispielhafte Prototypen aus einer Masse von vielen verstehen – Korine fasst Negativbeispiele zusammen, ohne zu generalisieren.

Als Hauptgegenstand der vielen Diskussionen und Verbote von Ken Park erweist sich jedoch nicht die kritische Bestandsaufnahme einer überforderten Elterngeneration, sondern die Darstellung des Eskapismus der Jugendlichen, die ihrer Tristesse zumindest für kurze Zeit durch Sex entfliehen. Bereits für Kids plante Clark explizite Bilder ein, die kommerziellen Interessen seines Debüts ließen nackte Tatsachen jedoch nur mit Abstrichen zu. In Ken Park wagt sich der Regisseur nun an eine diskutable Darstellung nackter Jugendlicher. Mit Pornografie hat Ken Park trotz Körperflüssigkeiten und erigierter Penisse herzlich wenig zu tun. Clark mag es szenenweise zu sehr auf das kontroverse Element anlegen, seine Bilder stehen jedoch immer im Dienst der Geschichte und ihrer Figuren.

Dieser Eindruck ist auch ein Verdienst von Clarks Co-Regisseur Ed Lachman, der vornehmlich als Kameramann arbeitet (u.a. für Steven Soderberghs The Limey oder Sofia Coppolas The Virgin Suicides) und Ken Park trotz der beschränkten Schauplätze viel kalifornisches Flair verleiht. Die Szenen werden von Licht durchflutet und in warme Farben getaucht, was ein wenig Hoffnung in den Alltag der Jugendlichen bringt.

Die Ambivalenz von Clarks viertem Werk bringen die letzten Minuten auf den Punkt. Trotz der Tragik und einiger Gewaltszenen endet Ken Park versöhnlich und führt drei seiner Protagonisten in einer utopischen Szene zusammen. Im Sex finden sie Freiheit, im gemeinsamen Miteinander Verständnis, Zuneigung und Anerkennung. Hier verspricht Ken Park eine Zukunft außerhalb des Einflussbereichs der Eltern.

Die letzte Szene des Films bleibt allerdings im mahnenden Tonfall verhaftet und führt uns zurück zum Beginn. Nun erfahren wir, warum der Teenager Ken Park sich erschoss. Wir lauschen einem Dialog zwischen ihm und seiner Freundin, die ihm eröffnet, dass sie schwanger ist. Ken Park entschied für sich, dass es besser ist, tot zu sein, als zu den dysfunktionalen Eltern zu gehören.

Handlung:

In der Kleinstadt Visalia, irgendwo zwischen Los Angeles und Fresno, leben die Teenager Tate, Peaches, Claude und Shawn. Ihre Welt dreht sich um Skateboards, Marihuana, Hip Hop und natürlich Sex. Eigentlich scheinen ihre Leben ganz normal zu sein, doch im ständigen Konflikt mit ihren Eltern entstehen große Probleme. Der Selbstmord des Jungen Ken Park ist nur das erste Glied einer Kette von Ereignissen, deren Ausgangspunkt in den Elternhäusern zu liegen scheint.

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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