Alles über Eva zählt zu den unbestrittenen Hollywoodklassikern seiner Zeit und begeistert mit allen Tugenden der Traumfabrik. Zur Belohnung hagelte es 1951 wahnwitzige 14 Oscarnominierungen, was zu einem interessanten Giganten-Duell mit Billy Wilders Sunset Boulevard führte, der elf Mal auf der Nominierungsliste stand.

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Filmkritik:

Mit sechs Auszeichnungen kührte die Traumfabrik Alles über Eva zum Sieger des Abends. Beide Filme entlarven die Schattenseiten des amerikanischen Showbusiness, doch vielleicht erschien Wilders Abrechnung mit Hollywood den konservativen Academy-Mitgliedern zu zynisch und spöttisch, während Alles über Eva bei aller Kritik auch genug glorifizierende Aspekte aufweist.

Der Film von Joseph L. Mankiewicz bietet in jeder Hinsicht bestes Hollywoodkino. In ausschweifenden Rückblenden schildert Mankiewicz‘ Drehbuch den Werdegang seiner titelgebenden Protagonistin, die zu Beginn des Films mit einem bedeutenden Theaterpreis als beste Darstellerin ausgezeichnet wird. Einige wenige Kollegen klatschen jedoch nicht – sie wissen alles über Eva, die nicht durch puren Zufall von der bloßen Zuschauerin zum Theaterstar aufstieg.

Die gediegene Narration und die zahllosen großartigen Dialogsequenzen sorgen für wunderbare Unterhaltung und begeistern mit Charme und Ironie, mit Wortwitz und gutmütigem Spott, finden jedoch auch immer wieder Momente, wo sich hinter dem äußeren Anschein und Glanz des Showbusiness persönliche Abgründe auftun. Hier trennt Alles über Eva seine Figuren: Während die einen Theater als Kunst verstehen und erkennen, dass es im Leben auf Werte ankommt und die Welt des Glamours nicht alles ist, nutzen die anderen das Theater lediglich als Vehikel für Ruhm und Macht, wofür sie rücksichtslos alles opfern und auch eine innere Leere in Kauf nehmen.

Die Figurenzeichnung erweist sich im Laufe des Films als vortrefflich. Stetig erfährt das Publikum Neues über die Charaktere, die sich fortwährend weiter entwickeln und neue Facetten offenbaren. Dank dieser Dynamik gelingt es dem Drehbuch, mit einem halben Dutzend Figuren beinahe zweieinhalb Stunden Spielzeit zu beleben, ohne einen Spannungsabfall zu riskieren.

Dies ist auch ein Verdienst der ausgezeichneten Darsteller, vor allem Bette Davis als alternde Theaterdiva ist eine Wucht. Ihre großen Gesten mischt sie mit unzähligen manierierten Details, sodass sie in ihren Szenen das gesamte Geschehen diktiert. Dagegen wirkt Anne Baxter in der Hauptrolle zunächst etwas blass, was jedoch Methode hat – einige Intrigen später erweist sich Baxter als ebenbürtig, wenn ihre Figur nach und nach ihre unscheinbare Maske ablegt und ihre eiskalte Berechnung zur Schau trägt. Phänomenal ist auch die Präsenz von George Sanders, der seinen machthungrigen Kritiker gleichermaßen mit snobistischer Würde und charmanter Diabolie spielt. Die finale Szene zwischen Baxter und Sanders zählt zu den besten des Films.

Der geniale Schluss betont das Allegorische der Geschichte und die Zeitlosigkeit von Alles über Eva, wenn Eve, nun selbst ein Star, eine junge Frau kennenlernt, die ihrerseits nach Höherem strebt. Während diese sich unbeobachtet an Eves Kleid schmiegt, wird sie von mehreren Spiegeln vervielfacht – die Illustration eines endlosen Kreislaufes.

Mankiewicz erweist sich ein Jahr nach Ein Brief an drei Frauen erneut als Meister von figurengetriebenen Dramen und vollbrachte das Kunststück, in zwei aufeinanderfolgenden Jahren den Oscar für die beste Regie und das beste Drehbuch zu gewinnen. Vollkommen zurecht: Alles über Eva zählt zu den besten Werken der Golden Age Of Hollywood.

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DAS GENRE

Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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DIE ÄRA

In den Fünfziger Jahren befanden sich die weltweiten Studiosysteme auf dem Zenit ihrer Schaffenskraft. In den Vereinigten Staaten, Japan und Frankreich versammelten die Studios eine ungeheure Menge an Talent und veröffentlichten dank des geballten Produktionsniveaus zahllose Meisterwerke. Einen gewichtigen Anteil daran ist auch den Regisseuren zuzuschreiben, die sich innerhalb des Systems Freiheiten erkämpften und so ihr Potenzial ausspielen konnten.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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