Der Nachtportier

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

Geht es um die kontroversen Werke der Siebziger Jahre, werden – wegen ihrer großen Qualität und der Stars – meist Der letzte Tango in Paris und Das große Fressen genannt, doch einige Sätze später folgt dann gerne auch Der Nachtportier von Liliana Cavani. Auch der hat zwei Stars zu bieten: Den wunderbaren Dirk Bogarde und Charlotte Rampling in der Rolle, die ihr zum Durchbruch verhalf.

Kein Wunder, denn Der Nachtportier ist vor allem ein Schauspieler-Film – er konzentriert sich völlig auf seine beiden Figuren, die in ihrer verqueren Liebe hin- und hergerissen werden, bis schwer herauszufinden ist, wie alles anfing und es überhaupt so weit kommen konnte. Cavani versteht es sehr gut, immer neue Ist-Zustände über die vorherigen Szenen zu streifen, kann nachvollziehbar verdeutlichen, wie wertvoll die gemeinsame Zeit der beiden ist, weil die Szenen vergänglich und fragil wirken. Weniger gut gelingt es allerdings dem Drehbuch, die Faszination des Paars wider Willens zu ergründen. Im Zusammenspiel mit der (gewollt und gekonnt) tristen Inszenierung verwehrt Der Nachtportier seinem Publikum die meisten erzählerischen Kompromisse.

Allerdings bietet der äußere Erzählrahmen, insbesondere zum Ende hin, Thrillerelemente, die sich nur schlecht in das eigentlich intime Drama fügen, auch den Ton nicht immer treffen. So bleibt Der Nachtportier ein sperriges Werk, dessen Ergründung durchaus nicht uninteressant, aber etwas unbefriedigend ausfällt und dessen Avancen zum kontroversen Nazifetisch teilweise grenzwertig erscheinen.

Handlung:

12 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: Der ehemalige SS-Offizier Max, der in Wien untergetaucht ist und als unbescholtener Hotelportier arbeitet, begegnet im Hotel einem seiner Opfer aus dem KZ: Er missbrauchte sie und sie gab sich ihm hin. Als sich die beiden wieder erkennen, merken sie schnell – die Vergangenheit hat sie aneinander gekettet. Sie gehen erneut eine von Machtspielchen dominierte Verbindung ein. Doch als der Druck durch Max‘ Kameraden zunimmt und ihm gar eine Enttarnung droht, kippen die Machtverhältnisse zwischen ihm und seinem ehemaligen Opfer…

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

One Comment

  1. Marius 5. April 2018 at 16:31 - Reply

    Während im 21 Jahrhundert einen nichts mehr schocken kann, so kann man sich gut vorstellen, welch gesellschaftlich, gar skandalöse Reaktionen dieser Film in den 70igern hervor rufen vermochte.

    Während ich als Deutscher, geboren in den 70igern, die Taten meiner Landsleute zur Genüge bewußt bin, so wollte ich einiges in diesem Film nicht vermittelt bekommen. Für mich war zunächst eine Art Stockholm-Syndrom sichtbar, später gepaart mit einer SM-Verbindung.

    Dieser Film beinhaltet auch Sequenzen, die eine Perversion des einstigen beinhaltet: Die genußvolle Betrachtung diverser SS’ler bei einem schwuchtelig anmutenden Tanz eines der ihren. Dieses als auch die sadomasochistische Hingebung der weiblichen KZ-Insassin hat mich zutiefst verärgert. Aber menschliche Abgründe kennen keinen Rahmen, besonders während der NS-Zeit.
    Tenor im Gesamten: Alles gab es einst wie heute.

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