Crazed Fruit

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Filmkritik:

Mit Crazed Fruit startete das japanische Kino in eine neue Ära, brachte Sittenwächter gegen sich auf und formulierte erstmals eine Attitüde, aus der letztlich die Japanische Neue Welle entstand.

Zu Beginn der Fünfziger Jahre machte die japanische Filmindustrie dieselbe Entwicklung durch wie ihr Pendant in den Vereinigten Staaten: Die festen Standards der Studios wurden dem Zeitgeist nicht mehr gerecht und erreichten die jüngeren Generationen nicht mehr, was auch zu finanziellen Einbußen führte. In den USA reagierten die Studios durch zielgruppenorientierte Filme wie Der Wilde mit Marlon Brando oder den James Dean-Klassiker … denn sie wissen nicht, was sie tun.

In Japan bediente sich das so traditionsreiche wie zunehmend finanzschwache Studio Nikkatsu bei den Geschichten von Shintaro Ishihara, der im Alter von 23 Jahren den renommierten Akutagawa-Literaturpreis gewann, die Sprache der Jugend sprach und den Nerv der Zeit traf.

Gleich drei Romane Ishiharas wurden 1956 verfilmt, doch während Kon Ichikawas Punishment Room sich vor allem auf die kontroverse Darstellung der gewaltbereiten Jugendlichen fokussierte, fand Kô Nakahira mit Crazed Fruit eine ganzheitliche Artikulation des Lebensgefühls der japanischen Halbstarken.

Gekleidet in den unkonventionellen Soundtrack des legendären Komponisten Toru Takemitsu, der einige Jahre später mit seiner Musik für das Meistwerk Die Frau in den Dünen Filmgeschichte schrieb, schildert Crazed Fruit das Leben zweier gut situierter Brüder, die sich beide in die hübsche Eri verlieben. Während sich der zwanzigjährige Natsuhisa ihr selbstbewusst nähert, ergeht sich der unerfahrene Sechzehnjährige Haruji in passiven Schwärmereien. Zunächst zeigt der Film den Alltag der rastlosen jungen Leute: das Flanieren am Strand, das abendliche Tanzengehen. In der zweiten Hälfte der 86-minütigen Spielzeit steigert sich das Geschehen zügig auf das größtmögliche Maß: Geheimnisse führen zu Lügen und Verrat, die Konflikte münden in Gewalt. Das so tragische wie wahnwitzige Finale bleibt lange im Gedächtnis.

Crazed Fruit gestaltet seinen Plot erstaunlich homogen, die Übergänge zwischen Period Picture und Genrefilm sind fließend. Auch ein Verdienst von Regisseur Kô Nakahira, dessen schwungvolle Inszenierung die Sommerstimmung der Jugendlichen aufgreift und auf das Publikum überträgt. Neben der schmissigen Musik sorgen die agile Kamera und ein griffiger Schnitt für viel Dynamik.

Damit vermittelt Crazed Fruit auch nach sechs Jahrzehnten noch die Aufbruchsstimmung der Jugend und wirkt immer noch sehr modern. Es verwundert wenig, dass Nakahiras Werk – noch einige Jahre vor dem Start der französischen Nouvelle Vague – eine Entwicklung lostrat, die Japans Filmlandschaft veränderte und radikalen jungen Filmemachern wie Seijun Suzuki, Shôhei Imamura und Yasuzo Masumura den Weg ebnete.

Handlung:

Sommerzeit! Der zwanzigjährige Natsuhisa und sein vier Jahre jüngerer Bruder Haruji reisen ans Meer und sehen bereits am Bahnhof die hübsche Eri, die Haruji direkt den Kopf verdreht und den beiden in den folgenden Tagen noch häufiger über den Weg läuft. Während die Jugendlichen ihre Freizeit mit Alkohol und Tanzen verbringen, kommen sich Haruji und Eri näher. Doch dann entdeckt Natsuhisa ein Geheimnis, das den idyllischen Sommer zerstören wird…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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