Der Prozess

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Filmkritik:

Der Prozess zeigt Orson Welles auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Mit einer phänomenalen visuellen Gestaltung übersetzt der Filmemacher Kafkas gleichnamigen Roman und entwirft die Vision einer inhumanen Hölle aus Existenzangst und Bürokratie.

Kafkas Roman schildert die Geschichte des Angestellten Josef K., der unverschuldet in die Mühlen einer abstrakten Justiz gerät, und zieht seinen Reiz vor allem aus der scheinbaren Normalität, hinter der Irrsinn lauert. Doch wo Kafka die vordergründige Ordnung durch eine betont nüchterne Sprache widerspiegelt, dreht Orson Welles den Stoff auf die entgegengesetzte Seite: Er streicht die Geradlinigkeit der Handlung und schickt den Protagonisten auf eine chaotische Odyssee.

Das fantastische Produktionsdesign kreiert immer neue Räume, in denen sich Josef K. zu verlieren droht; Welles schwelgt in brillanten Schwarz-Weiß-Bildern, die mit ihren schiefen Perspektiven und expressivem Schattenwurf eine delirierende Albtraumwelt erschaffen. Zurecht hielt Welles die Inszenierung von Der Prozess für seine beste – nahezu jede Einstellung ließe sich gerahmt an Museumswände hängen, die mise en scéne sorgt im Zusammenspiel mit den Kulissen für wirkungsvolle Verfremdungseffekte und macht Kafkas unangenehme Szenarien erfahrbar.

Dabei geht Welles sogar zu konsequent vor. Wo Kafkas Kunst darin liegt, den Irrsinn hinter dem Alltäglichen aufzudecken, inszeniert Welles den Film von Anfang an als chaotischen Albtraum und mystifiziert damit den gar nicht mal so unrealistischen Text. Das Drehbuch treibt der Vorlage alle Präzision und Kohärenz aus, um uns zwei Stunden lang mit obskuren Szenen und eigenartigen Dialogen zu bombardieren. Was in der ersten Filmhälfte für spannende Akzente sorgt, nutzt sich im weiteren Verlauf zunehmend ab; ohne Variationen von Tempo oder Tonfall gerät Der Prozess zu gleichförmig und gibt seine existenzielle Dramatik zugunsten seiner Schauwerte auf.

Orson Welles liefert eine würdige Adaption von Kafkas Klassiker ab, profitiert von den gut aufgelegten Schauspielern um Anthony Perkins und den beeindruckenden visuellen Stärken; das selbst beschworene Chaos bekommt der Regisseur jedoch nicht ganz in den Griff, weshalb der Film vor allem in der zweiten Hälfte zur abweisenden Farce verkommt.

Handlung:

Grundlos wird Josef K. an seinem 30. Geburtstag verhaftet und verhört. Die Umstände sind grotesk, niemand kennt das Gesetz, und das Gericht bleibt anonym. Die Schuld erfährt Josef K., hafte ihm an, ohne dass er dagegen etwas tun könne. Verbissen, aber erfolglos versucht er, sich gegen die zunehmende Absurdität und Verstrickung zu wehren. Als er sich von seinem Anwalt im Stich gelassen fühlt, beschließt er, den Fall in die eigenen Hände zu nehmen …

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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