Aimless Bullet entstand 1961 kurz vor dem Militärputsch in Südkorea, zeichnet ein düsteres Bild des Lebens nach dem Krieg und wurde nach dem Putsch für viele Jahre aus dem Verkehr gezogen.

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Filmkritik:

Insbesondere die erste Hälfte des Films von Yu Hyun-mok erinnert an die Werke des Italienischen Neorealismus und setzt seinen Handlungsort ebenso kritisch in Szene. Obwohl bereits sieben Jahre seit dem Waffenstillstandsabkommen vergangen sind, lebt ein Großteil der Bevölkerung Seouls nach wie vor in großer Not.

Stacheldrahtreste und Ruinen beherrschen das Stadtbild, unzählige mittellose Menschen leben in notdürftig errichteten Slums. Die prekären Verhältnisse haben sich tief in die Bewohner Seouls gefressen, Hoffnungslosigkeit und Traumata bestimmen das Handeln der Menschen. Die Männer verfallen dem Alkoholismus, die Frauen halten sich mit Prostitution über Wasser.

Die erste Hälfte nutzt Aimless Bullet für die realistische Beschreibung seines Szenarios und den Aufbau der Figuren. Das langsame Tempo verdeutlicht den überall herrschenden Stillstand und dem Drehbuch gelingt es hervorragend, die kritische Lage Koreas in unzähligen Details zum Ausdruck zu bringen. Allein schon innerhalb der Familie, die im Zentrum des Films steht, finden sich zahlreiche Symptome der gestreuten Krebswucherung des Krieges.

Trotz aller Aufrichtigkeit und eines Jobs kann sich der ältere Bruder nicht einmal einen Zahnarztbesuch leisten, während der jüngere sich nicht mehr in die Zivilgesellschaft integrieren kann. Ihre Schwester prostituiert sich, der Vater ist tot, die traumatisierte Mutter liegt nur noch im Bett und keucht fortwährend manisch „Wir müssen hier raus.“

Im weiteren Verlauf schildert der Film dann dramatischen Wendungen seiner Geschichte, entsagt durch einige Steigerungen dem Italienischen Neorealismus und gleicht in Hälfte zwei eher japanischen Nachkriegsfilmen. Der sich stetig steigernde Druck auf die Charaktere sorgt für Verzweiflungstaten, Bilder und Tonfall geraten zunehmend düsterer und verleihen Aimless Bullet eine nihilistische Atmosphäre. Wie Verdammte irren die Figuren durch die von Schicksalsschlägen gesäumten Nächte Koreas. Es sollte noch lange dauern, bis es wieder Tag wurde.

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DAS GENRE

Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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DIE ÄRA

Die Sechziger Jahre zählen zu den revolutionärsten Jahrzehnten der Kinogeschichte. Das Aufkommen der Nouvelle Vague in Frankreich fand einen Widerhall im Rest der Welt. Die neuen Wellen verschoben künstlerische Grenzen und modernisierten die Filmsprache. Zahlreiche Regisseure ließen die Themen der vorherigen Generationen hinter sich und drehten freiere, gesellschaftskritischere Werke.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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