… denn sie wissen nicht, was sie tun zählt zu den großen Kultfilmen seiner Zeit. Das Werk von Nicholas Ray gilt als der ultimative James Dean-Film und gehört darüber hinaus auch zu den ersten Werken in der amerikanischen Kinogeschichte, die sich gezielt an ein jugendliches Publikum richteten.

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Filmkritik:

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstand in den Vereinigten Staaten ein Generationenkonflikt. Aufgrund der ökonomischen Stärke der Mittelschicht und der daraus resultierenden Freiheit der Teenager entwickelte sich die Jugend von gängigen gesellschaftlichen Konventionen weg und eckte mit ihrer Suche nach individuellen Werten beim Establishment an. Das als bieder empfundene Kino ihrer Eltern befriedigte die orientierungslosen Jugendlichen nicht, sodass die Produktionsstudios einen Weg suchten, die wichtige Zielgruppe zu gewinnen.

Hollywood fand mit Marlon Brando in Der Wilde (1953) und James Dean in … denn sie wissen nicht, was sie tun (1955) zwei Ikonen, die zu den ersten Identifikationsfiguren der Jugend aufgebaut wurden. Diese Filme und ihre Nachfolger trafen den Nerv der Zeit, weil sie aus dem Lebensgefühl der Teenager eine Filmwelt mit neuartigen Themen und Charakteren destillierten – der Coming of Age-Film war geboren.

Als treibende Kraft dahinter erwies sich Regisseur Nicholas Ray, der sich während seiner großen Zeit in den Fünfziger Jahren nicht für realistische Filme interessierte, sondern auf grelle Übersteigerungen setzte. Durch diese Larger than life-Attitüde verlieh er dem Drama Eine Handvoll Hoffnung eine besondere Dramatik oder trieb dem Western Johnny Guitar die altbackene Staubigkeit des Genres aus.

In .. denn sie wissen nicht, was sie tun strapaziert diese Herangehensweise allerdings unser suspension of disbelief, da kaum eine Szene ohne emotionalen Spannungen auskommt. Es gehört eine gute Portion Abstrahiervermögen dazu, sich auf die Figuren des Films einzulassen, zumal die Schauspieler deutlich älter wirken als ihre Charaktere und das Drehbuch seine Geschichte mit grober Kelle auftischt.

Schon die erste Szene setzt vollends auf herbe Melodramatik und etabliert James Deans Protagonisten Jim Stark als von konstantem Weltschmerz gequälten jungen Mann, der sich auf dem emotionalen Niveau eines Zehnjährigen bewegt. In Rays exaltierter Filmwelt gerät jeder Dialog zur existenziellen Zustandsbeschreibung und jede Figur erweist sich als krisengebeutelt, obwohl die maue Dramaturgie kaum etwas davon rechtfertigt.

Auch die Anlage der Figuren wirkt künstlich: Anstatt ein aufrichtiges Interesse an den Protagonisten zu entwickeln, schiebt das Drehbuch sie effekthascherisch durch die Geschichte und scheut dabei nicht vor absurden Wendungen zurück.

Da verunglückt der Freund einer Jugendlichen tödlich, doch nur wenige Filmminuten später wirft sich das Mädchen gänzlich unbeeindruckt von ihrem Verlust in die Arme von Deans Figur – gerade in Anbetracht der übersteigerten Emotionalität des Films ergibt das keinen Sinn. Auch die utopische Verbindung des Paares zum Jungen Plato lässt sich kaum (durch Platos latente Homosexualität) erklären, dient dem Film jedoch für einige schrecklich kitschige Szenen.

Neben der Präsenz von Hauptdarsteller James Dean verdankt … denn sie wissen nicht, was sie tun seinen guten Ruf auch der souveränen Inszenierung von Nicholas Ray und den expressiven Technicolorbildern, doch der im schlechtesten Sinne melodramatische Tonfall und die künstlichen Figuren verderben den Spaß an diesem Werk, das inzwischen nur noch aus filmhistorischer Sicht interessant ist.

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DIE ÄRA

In den Fünfziger Jahren befanden sich die weltweiten Studiosysteme auf dem Zenit ihrer Schaffenskraft. In den Vereinigten Staaten, Japan und Frankreich versammelten die Studios eine ungeheure Menge an Talent und veröffentlichten dank des geballten Produktionsniveaus zahllose Meisterwerke. Einen gewichtigen Anteil daran ist auch den Regisseuren zuzuschreiben, die sich innerhalb des Systems Freiheiten erkämpften und so ihr Potenzial ausspielen konnten.

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Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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