Filmkritik:

In Der Teufelskreis thematisiert Regisseur Basil Dearden einmal mehr ein gesellschaftliches Problem mit den Mitteln des Kriminalfilms. Zwei Jahre, nachdem sich der Brite in Das Mädchen Saphir unter dem Deckmantel eines Whodunnit-Krimis mit Rassismus auseinandergesetzt hatte, nutzt er nun eine Erpressergeschichte, um sich dem damaligen Tabuthema Homosexualität zu nähern.

In Großbritannien stand Homosexualität bis zum Jahr 1967 unter Strafe. Selbst in stiller Privatheit ausgeübter gleichgeschlechtlicher Sex konnte als Akt der Sodomie mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Der gesellschaftliche und justiziabele Druck lohnte sich auch für Kriminelle: Unfassbare neunzig Prozent der Erpressungen in Großbritannien zielten auf homosexuelle Opfer ab.

So ergeht es in Der Teufelskreis auch einem jungen Mann, der sich aufgrund der immer neuen Geldforderungen das Leben nimmt. Das Opfer entpuppt sich als ehemaliger Liebhaber eines angesehenen Londoner Anwalts, der so auf die Machenschaften der Erpresser aufmerksam wird und beschließt, ihnen entgegenzutreten. Damit macht sich der bisexuelle Protagonist des Films selbst zur Zielscheibe, setzt seine Ehe und Karriere aufs Spiel.

In unserer aufgeklärten Gesellschaft von heute wirkt das Thema weniger kontrovers, doch 1961 schlug der Film hohe Wellen. Regisseur Basil Dearden und sein kongenialer Produzent Michael Relph setzen ihre Namen und ihr Geld aufs Spiel. Auch die homosexuellen Schauspieler gingen ein großes Risiko ein. Der aus dem Meisterwerk Adel verpflichtet bekannte Dennis Price erscheint geradezu prädestiniert für seine Rolle – einige Jahre zuvor unternahm er aufgrund seiner verbotenen sexuellen Orientierung einen Selbstmordversuch.

Auch Hauptdarsteller Dirk Bogarde hielt seine Homosexualität geheim und war im Kino ironischerweise auf romantische Rollen als Frauenschwarm abonniert. Nach Der Teufelskreis war es damit vorbei – der Film befreite ihn aus diesem Klischee und ebnete dem enormen Talent des Briten den Weg zu zahlreichen unkonventionellen Werken: In Der Diener, Die Verdammten, Der Tod in Venedig und Der Nachtportier spielt Bogarde großartig.

Als Kriminalfilm liefert Der Teufelskreis solide Kost. Er baut Suspense auf und legt eine falsche Fährte, entwickelt sich jedoch nur verhalten und lässt Höhepunkte vermissen – es ist zu spüren, dass die Kriminalgeschichte lediglich als Gerüst für das eigentliche Thema dient. Gleichzeitig gelingt es Deardens Werk hervorragend, eine bedrückende Stimmung zu erzeugen. Der Film schildert nachvollziehbar, wie die Welt der Protagonisten ins Wanken gerät, wie ihre vollkommen natürliche Sexualität wie ein Mühlstein auf ihnen lastet und sie angreifbar macht.

In Großbritannien löste Der Teufelskreis eine öffentliche Debatte aus. Obwohl er als erster Film das Wort „homosexuell“ beinhaltete, erhielt er zumindest ein X-Rating, wurde also für Erwachsene zugelassen. Da die Produzenten sich weigerten, das Wort für die Auswertung in den Vereinigten Staaten herauszuschneiden, versagte die dortige Prüfkommission gemäß des Hays-Code die Freigabe.

Inzwischen gilt Deardens mutigster Film als wichtiger Baustein für eine Gesetzesänderung, die Homosexualität in Großbritannien ab 1967 straffrei stellte.

Handlung:

Als er erfährt, dass ein früherer Liebhaber Selbstmord beging, nachdem er monatelang erpresst wurde, schwört der angesehene Anwalt Melville Farr Rache. Obwohl er als Bisexueller selbst ins Fadenkreuz der Erpresser und der Polizei geraten könnte, arbeitet er sich systematisch durch das unsichtbare Milieu der Londoner Homosexuellen, um die Verbrecher ihrer Strafe zuzuführen …

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.