Die schrecklichen Kinder

Regie: , | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

Jean-Pierre Melville steht für eiskalte, fatalistische Gangsterfilme, doch eines seiner besten Werke zeigt eine gänzlich andere Seite: Melvilles dritter Film Die schrecklichen Kinder überrascht ungemein – die erste Hälfte offenbart den Einfluss von Co-Regisseur und Drehbuchautor Jean Cocteau, der ein gewichtiges Wort beim Dreh mitzureden hatte und Melvilles strengen Stil transformierte: Kein Film des Meisterregisseurs ist so energiegeladen, temporeich und verspielt wie die erste Hälfte von Die schrecklichen Kinder.

Im weiteren Verlauf drückt Melville dem Film dann jedoch deutlich seinen Stempel auf und fasst die Romanadaption in expressiven Bildern ein, mit ungewöhnlicher Perspektivwahl und einer Lichtsetzung, die das Geschehen in trostloses Licht und leere Schatten zwingt und damit perfekt zur Geschichte zweier sich kabbelnder Geschwister passt.

Cocteaus Drehbuch wirkt nach sechs Jahrzehnten zwar etwas altbacken und kann – gerade, weil der Autor einige Romanpassagen selbst per Voice-Over zitiert – eine gewisse Schwere nicht negieren, doch entwickeln sich daraus schnell eine interessante Dynamik und eine dichte Atmosphäre, wenn die Figuren ständig ihre Stimmungen und Gesinnungen wechseln und sich letztlich – und da ist dann doch der typische Melville-Fatalismus wieder sehr präsent – in ihren hochgeschaukelten Emotionen bekriegen, was mich dann auch schnell mitgenommen hat und Die schrecklichen Kinder in meinen Augen zu einem zeitlosen, in allen Belangen gelungenen Klassiker macht.

Handlung:

Die Geschwister Paul und Elisabeth leben schon seit ihrer Jugend gemeinsam ein zurückgezogenes Leben in der elterlichen Wohnung. Dabei bauen sie sich mehr und mehr ihre eigene Parallelwelt auf und verlieren nicht nur den Bezug zur Realität, sondern etablieren auch gegenseitige Kontroll- und Machtverhältnisse, was immer mehr zu einer Spaltung führt, die durch keinen Erwachsenen aufgelöst werden kann…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-15T22:58:20+00:00

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