Obwohl Melville für seine Sturköpfigkeit bekannt war, konnte Cocteau offenkundig ein gewichtiges Wort mitreden und Melvilles strengen Stil transformieren. Insbesondere die für Melville-Verhältnisse ungewohnt leichtfüßige erste Hälfte von Die schrecklichen Kinder scheint geprägt durch das Wirken Cocteaus. Dessen Romanvorlage spiegelt sich nicht nur in den literarischen Dialogen wieder, sondern wird auch durch das vom Co-Regisseur selbst gesprochene Voice-Over repräsentiert.
Je weiter die Spielzeit um zwei innig verbundene Geschwister voranschreitet, desto düsterer gestaltet sich das Geschehen und verlagert sich in eine große, leer stehende Villa. Hier übernimmt Melville wieder stärker das Zepter und kann sein Faible für strenge Bildkompositionen und eine pessimistische Stimmung vollends ausleben. Handwerklich gefällt Die schrecklichen Kinder in jeder Hinsicht. Nicht nur die barocken Bilder, sondern auch die ungewöhnlichen Perspektiven überzeugen, die großartige Lichtsetzung verleiht dem Film eine omnipräsente Trostlosigkeit.
In der Summe wirken die vielen trübsinnigen Dialoge etwas altbacken und könne eine gewisse Schwere nicht negieren, auch verhalten sich die jungen Erwachsenen aus heutiger Sicht reichlich kindisch, doch gleichzeitig bleibt das Verhalten von Elisabeth und Paul immer etwas mysteriös. Die seltsame Beziehung zwischen den beiden, die Spiele und Kabbeleien, ihre Liebe und Eifersucht bleiben immer zu einem Teil im Verborgenen, was das Interesse an ihnen weckt und den Wiedersehwert erhöht.
Mit dieser Vieldeutigkeit, den tollen Bildern, der dichten Atmosphäre und dem spannenden letzten Drittel hinterlässt Die schrecklichen Kinder einen positiven Eindruck, den das fatalistische Finale bestätigt. Das Drama bietet nicht gerade leichte Kost, stellt jedoch ein interessantes Kleinod im von Gangsterfilmen geprägten Œuvre Melvilles dar.