Die schrecklichen Kinder, das dritte Werk von Jean-Pierre Melville, zeigt eine gänzlich andere Seite des Autorenfilmers, der in erster Linie mit so strengen wie fatalistischen Gangsterfilmen wie Der eiskalte Engel oder Vier im roten Kreis in Verbindung gebracht wird. Melville entschied sich für die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jean Cocteau, der wiederum selbst schon einige Filme drehte und nicht nur die Drehbuchadaption seines Buches übernahm, sondern auch die Co-Regie.

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Filmkritik:

Obwohl Melville für seine Sturköpfigkeit bekannt war, konnte Cocteau offenkundig ein gewichtiges Wort mitreden und Melvilles strengen Stil transformieren. Insbesondere die für Melville-Verhältnisse ungewohnt leichtfüßige erste Hälfte von Die schrecklichen Kinder scheint geprägt durch das Wirken Cocteaus. Dessen Romanvorlage spiegelt sich nicht nur in den literarischen Dialogen wieder, sondern wird auch durch das vom Co-Regisseur selbst gesprochene Voice-Over repräsentiert.

Je weiter die Spielzeit um zwei innig verbundene Geschwister voranschreitet, desto düsterer gestaltet sich das Geschehen und verlagert sich in eine große, leer stehende Villa. Hier übernimmt Melville wieder stärker das Zepter und kann sein Faible für strenge Bildkompositionen und eine pessimistische Stimmung vollends ausleben. Handwerklich gefällt Die schrecklichen Kinder in jeder Hinsicht. Nicht nur die barocken Bilder, sondern auch die ungewöhnlichen Perspektiven überzeugen, die großartige Lichtsetzung verleiht dem Film eine omnipräsente Trostlosigkeit.

In der Summe wirken die vielen trübsinnigen Dialoge etwas altbacken und könne eine gewisse Schwere nicht negieren, auch verhalten sich die jungen Erwachsenen aus heutiger Sicht reichlich kindisch, doch gleichzeitig bleibt das Verhalten von Elisabeth und Paul immer etwas mysteriös. Die seltsame Beziehung zwischen den beiden, die Spiele und Kabbeleien, ihre Liebe und Eifersucht bleiben immer zu einem Teil im Verborgenen, was das Interesse an ihnen weckt und den Wiedersehwert erhöht.

Mit dieser Vieldeutigkeit, den tollen Bildern, der dichten Atmosphäre und dem spannenden letzten Drittel hinterlässt Die schrecklichen Kinder einen positiven Eindruck, den das fatalistische Finale bestätigt. Das Drama bietet nicht gerade leichte Kost, stellt jedoch ein interessantes Kleinod im von Gangsterfilmen geprägten Oeuvre Melvilles dar.

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DER REGISSEUR

Jean-Pierre Melville zählt zu den wichtigsten europäischen Autorenfilmern. Um seine Eigensinnigkeit ausleben zu können, produzierte er seine Filme selbst, schrieb Drehbücher und führte Regie. Melvilles Kriminalfilme bestechen durch ihren fatalistischen Tonfall und ihren ausgeprägten Hang zur Coolness. Die unterkühlten Darsteller und die akribisch durchkomponierten Bilder tragen erheblich dazu bei.

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Jean-Pierre Melville zählt zu den wichtigsten europäischen Autorenfilmern. Um seine Eigensinnigkeit ausleben zu können, produzierte er seine Filme selbst, schrieb Drehbücher und führte Regie. Melvilles Kriminalfilme bestechen durch ihren fatalistischen Tonfall und ihren ausgeprägten Hang zur Coolness. Die unterkühlten Darsteller und die akribisch durchkomponierten Bilder tragen erheblich dazu bei.

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DAS GENRE

Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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