Formal hält sich der Regisseur zurück und setzt auf ungekünstelte Milieubilder in tristem Schwarz-Weiß und eine fast schon dokumentarisch wirkende, passive Inszenierung, die ganz in Diensten der Protagonistin steht, statt sich selbst in den Vordergrund zu rücken. Dank der schlichten Präsenz von Anna Karina funktioniert das ziemlich gut.
Eigentlich könnte man Die Geschichte der Nana S. fast als ungewöhnliches Werk in Godards Filmografie bezeichnen, doch der typische Einfluss des Franzosen schlägt sich durchaus nieder – nur eben mehr auf der inhaltlichen als auf der formalen Ebene. So unterteilt Godard den Film in zwölf beispielhafte Kapitel, die jeweils von einer Texttafel eingeleitet werden und bleibt damit einmal mehr dem fragmentierten Erzählen treu. Hier passt es jedoch gut, weil der Abstieg von Nana an den einzelnen Stationen festgemacht werden kann.
Je länger der Film läuft, desto stärker verdeutlicht er zwei der typischen Kernthemen Godards. Die Geschichte der Nana S. handelt (wie auch später Die Außenseiterbande) von Freiheit und Selbstbestimmung, die beschränkt werden durch monetäre und gesellschaftliche Zwänge; andererseits verdeutlicht der Film Godards Weltanschauung in Bezug auf die moderne Gesellschaft, die hier kalt und unpersönlich dargestellt wird. Es herrschen Sprachlosigkeit und Tristesse. Damit wirkt die Welt des Films letztlich nahezu unmenschlich. Eine Ansicht, die Godard drei Jahre später in Alphaville auf die Spitze trieb.
Unterhaltsam verläuft Die Geschichte der Nana S. derweil aufgrund seines deprimierenden Charakters nicht. Der Film beweist einmal mehr, dass Godard auch ein Herz für Figuren hatte und bereit war, seine sonst so offensive Regie hinten anzustellen, wenn es dem Sujet dienlich ist.