In seinem dritten Werk Eine Frau ist eine Frau wagte Jean-Luc Godard etwas Neues und drehte erstmals in Farbe und Cinemascope. Wieder schrieb sich der Franzose die Dekonstruktion eines Genres auf die Fahnen und liefert hier eine eigene Version amerikanischer Komödien ab.

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Filmkritik:

Heraus kam der lockerste Film seiner Karriere, Godard stürzt sich gänzlich in verspielte Arrangements und formuliert noch viel deutlicher als in Außer Atem eine durchgängig aufrecht erhaltene Meta-Ebene – Eine Frau ist eine Frau hält nicht mehr nur dem Publikum ständig vor Augen, dass es einen Film guckt, sondern impft selbst seinen Figuren ein Bewusstsein um ihr Schicksal ein, sodass sich selbst diese bisweilen fragen: „Spielen wir eigentlich eine Komödie oder eine Tragödie?“

Die lose Handlung gerät dabei unter die Räder und bleibt reichlich fragmentarisch. Aufgrund der sich selbst als Kinofiguren reflektierenden Charaktere entsteht kaum eine Bindung zum Zuschauer: Da die Akteure fortwährend beweisen, wie künstlich sie sind, fällt es schwer, Ihnen echte Gefühle entgegenzubringen. Einen Anreiz böte allerdings die tolle Anna Karina, deren Leichtigkeit nie aufgesetzt wirkt. Die Nebendarsteller Belmondo und Brialy bleiben da eher blass.

So bleiben letztlich die vielen interessanten Kleinigkeiten in positiver Erinnerung: Der mit riesigen Buchstaben bildschirmfüllende Vorspann, den Gaspar Noé für Enter The Void entlieh und verstärkte, das tolle Farbdesign, das den gesamten Film mit Rot, Weiß und Blau dominiert und die seltsame Tonebene, deren Elemente oft asynchron zum Bild laufen – Musik bricht plötzlich ab, Straßen- und Umgebungslärm rauscht immer wieder rein und raus.

Eine Frau ist eine Frau zählt nicht zu den besten Werken von Godard, beweist aber wunderbar seinen technischen Einfallsreichtum und seine Liebe zum Kino. Zudem überrascht die hier manifestierte Leichtigkeit angesichts von Godard späteren, deutlicher ernsteren politischen Filmen.

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DER REGISSEUR

Mit seinem Debütfilm Außer Atem schrieb Jean-Luc Godard Kinogeschichte und setzte die Nouvelle Vague in Gang. Der ehemalige Filmkritiker prägte das Medium Film nachhaltig: Seine postmoderne Erzählweise und innovativen Inszenierungen, seine beißende Gesellschaftskritik und Essayfilme wurden bewundert, diskutiert und kopiert. Allein in den Sechziger Jahren drehte Godard 15 Werke, von denen die meisten inzwischen fest zum Kanon der Filmgeschichte gehören.

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DER REGISSEUR

Jean-Luc Godard

Mit seinem Debütfilm Außer Atem schrieb Jean-Luc Godard Kinogeschichte und setzte die Nouvelle Vague in Gang. Der ehemalige Filmkritiker prägte das Medium Film nachhaltig: Seine postmoderne Erzählweise und innovativen Inszenierungen, seine beißende Gesellschaftskritik und Essayfilme wurden bewundert, diskutiert und kopiert. Allein in den Sechziger Jahren drehte Godard 15 Werke, von denen die meisten inzwischen fest zum Kanon der Filmgeschichte gehören.

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DIE STRÖMUNG

Die Nouvelle Vague wischte die altmodischen „Filme der Väter“ beiseite und entwickelte das moderne Kino. Erstmals beschäftigten sich Filme selbstreferenziell mit sich selbst, anstatt lediglich Geschichten mit Bildern zu erzählen. Mit der Generalüberholung von Inszenierung, Schnitt und Erzählweise legte die Nouvelle Vague die Grundlagen unserer heutigen postmodernen Filme, Musikvideos und Werbespots.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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