The Boss Of It All zählt zu den unbekannteren Werken in der Filmografie des dänischen Enfant Terribles Lars von Trier, der dieses sehenswerte Kleinod zwischen dem Dogville-Nachfolger Manderlay und seinen Skandalfilm Antichrist drehte. Doch obwohl The Boss Of It All im Vergleich zu den bedeutungsschweren vorgenannten Werken eher wie ein leichtgewichtiger Lückenfüller wirkt, überzeugt Lars von Trier hier durch ungeahnte Qualitäten.

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Filmkritik:

Zunächst bedient sich das Drehbuch beim klassischen Standardrepertoire des Genres und erzählt von Ravn, der zwar ein IT-Startup gegründet und damit internationales Renommé erarbeitet hat, jedoch viel zu nett für die Chefrolle ist.

Deshalb gibt er sich seit der Firmengründung lediglich als Stellvertreter eines fiktiven „Oberbosses“ aus, doch als ein isländisches Konsortium Ravns Firma kaufen will, muss dieser nun für einige Tage den mysteriösen Geschäftsführer präsentieren und bedient sich dabei beim eitlen Schauspieler Kristoffer, der jedoch weder verbergen kann, dass er keine Ahnung von der Materie hat, noch gewillt ist, nach der Pfeife von Ravn zu tanzen.

Zunächst bringt von Trier seine Protagonisten in eine Reihe irrwitziger Situationen und persifliert augenzwinkernd den ohnehin nie ganz normalen Büroalltag und das affektive Gehabe von Schauspielern, doch hinter dem vordergründigen Humor legt der Regisseur zunehmend mehr frei und offenbart, dass The Boss Of It All intellektueller ist, als es zunächst den Anschein hat.

Bis dahin dürfte dem Publikum auch längst aufgefallen sein, dass handwerklich einiges im Argen lieg und nicht einmal das kleine Einmaleins der Filmhochschulen Berücksichtigung findet: Die seltsame Perspektivwahl sorgt ständig für abgeschnittene Köpfe und eine leere Bildmitte, während die Protagonisten scheinbar willkürlich im Bildausschnitt verteilt werden. Zudem sorgt eine Vielzahl von groben Schnitt- und Anschlussfehlern für Befremden.

Dahinter steckt Methode: So wie Ravn die Kontrolle über seine Firma für einige Tage abgibt, tat dies auch von Trier und schuf Automavision – ein (im Abspann sogar als Director Of Photographie genanntes) Verfahren, bei dem ein Computer während des Drehs den Bildausschnitt festlegte und die Schauspieler stets im Ungewissen blieben, bis zu welchen Grad sie sich im Bild befinden.

Über den Sinn dieses Unsinns lässt sich angesichts des fragwürdigen Ergebnisses kaum debattieren, am ehehsten erinnert die visuelle Ebene des Film noch an Dogma 95-Filme und visualisiert mutmaßlich das Chaos in der Firma; über weite Strecken stören die Fehler jedoch schlichtweg, ohne einen Mehrwert beizutragen.

Interessenten sollten sich davon jedoch nicht abschrecken lassen, denn die köstlichen Dialoge und herrlich absurde Figurenkonstellationen von The Boss Of It All helfen über die visuellen Mängel hinweg. Von Trier beherrscht nicht nur spielend die Klaviatur konventioneller Komödien, sondern geht noch darüber hinaus.

Im sich stetig zuspitzenden letzten Viertel des Films gelingt es dem Regisseur sogar, ein Spannungsszenario aufzubauen, bei dem sich urplötzlich die Rollen verkehren, Figuren entlarvt und die Sympathien des Publikums auf den Kopf gestellt werden.

Das verleiht dem Film eine kafkaeske Ernsthaftigkeit, aus der einzig von Triers brillante Konsequenz einen Ausweg findet – die absurde Schlusspointe bildet einen famosen Abgang aus diesem kleinen großen Werk des doch gar nicht immer so schwermütigen Autorenfilmers.

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DER REGISSEUR

Aufgrund seiner eigenwilligen Filme und unverblümter Äußerungen in den Medien avancierte Lars von Trier zum Enfant terrible. Sein kontroverser Ruf sollte jedoch nicht die unvergleichlichen Arbeiten des dänischen Regisseurs überdecken. Von Trier entwirft seit mehr als 30 Jahren besondere Filmwelten und ermöglicht uns immer wieder, besonderen Filmerlebnissen beizuwohnen – formal ein Genuss und inhaltlich herausfordernd.

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Die Komödie zählt zu den Grundfesten des Kinos und funktioniert – wie auch der Horrorfilm – affektgebunden. Deshalb bringt uns der Slapstick aus den Stummfilmen von Charlie Chaplin genauso zum Lachen wie die rasenden Wortgefechte der Screwball-Komödien aus den Dreißiger Jahren, die spleenigen Charaktere von Woody Allen oder die wendungsreichen Geschichten von Billy Wilder.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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