Obwohl March Of Fools wie beinahe alle südkoreanischen Klassiker international weitestgehend unbekannt ist, belegt die Komödie bei nationalen Abstimmungen zu den besten koreanischen Filmen regelmäßig einen der vordersten Plätze.

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Filmkritik:

Eine solche Ehrerbietung verwundert zunächst, denn March Of Fools beginnt wie eine seichte Komödie, die das Leben zweier vergnügter Philosophiestudenten begleitet. Auf dem Weg zu einem Date liefern sich die beiden eine mit beschwingter Musik unterlegte Verfolgungsjagd mit der Polizei und werden schließlich verhaftet, weil ihre Haare zu lang sind – das illustriert zumindest den Geist der Militärdiktatur unter der beinahe zwanzigjährigen Herrschaft von Präsident Park Chung-hee.

Mit den politischen Hintergründen hält sich der Film jedoch zunächst nicht weiter auf und schildert launig den Alltag der beiden Studenten, der aus Wetttrinkveranstaltungen und Blind Dates mit den hübschen Französisch-Studentinnen ihrer Universität besteht. Nach mehr als einer Stunde des Frohsinns schlägt March Of Fools im letzten Drittel der Spielzeit zunehmend melancholischere Töne an und offenbart die Orientierungslosigkeit seiner Protagonisten. Ihr Studium erscheint ihnen sinnlos – weil zahlreiche Lehrveranstaltungen aufgrund von Studentenprotesten gegen das Militärregime ausfallen, können sie nichts mehr lernen.

Ggleichzeitig wirkt das Studium der Philosophie seltsam theoretisch und fruchtlos in einer praktischen Diktatur. Die Familien scheinen ihre Söhne sich selbst überlassen zu haben und bei den Mädchen blitzen die jungen Männer ebenfalls ab. Selbst die Freundschaft der beiden kann nicht ewig halten – der kommende Militärdienst wird sie für drei Jahre trennen.

Was bleibt da noch? Die Zukunft des Landes erscheint ungewiss, die jungen Männer wirken gesellschaftlich isoliert. Da sich die turbulente Studentenzeit dem Ende entgegen neigt und damit auch die letzten positiv besetzten Werte wegbrechen, lässt uns March Of Fools trotz seiner komödiantischer Elemente melancholisch zurück. Das Finale vereint Tragik und Hoffnung, als sich die beiden Männer trennen. Unterlegt von Schlagermusik – „I look around for something to do, but everything in sight turns away“ – geht einer seinem Untergang entgegen, während der andere dank eines überraschenden Kusses der holden Weiblichkeit neue Hoffnung schöpft.

Der kritische Subtext des Films würde wohl noch deutlicher zur Geltung kommen, wenn die Regierung nicht bereits im Drehbuchstadium eingegriffen und Zensuren durchgesetzt hätte. Auch nach der Fertigstellung des Films musste dieser noch wegen „unmoralischen Verhaltens“ der Protagonisten und aufgrund der politischen Akzente um dreißig Minuten gekürzt werden. Dennoch traf das Werk von Regisseur Ha Kil-jong den Nerv der Zeit, lockte eine enorme Menge Besucher ins Kino und erlangte durch seinen Verzicht auf eine klassische Handlung einen Ruf als ungeheuer moderner Film.

Obwohl Ha Kil-jong mit 37 Jahren an einem Schlaganfall starb und nur sieben Filme drehte, zählt er national dank March Of Fools zu den angesehensten Filmemachern seiner Ära. Der Einfluss des Films erstreckte sich sogar so weit, dass es jahrelang verpönt war, Kindern den Namen der beiden Protagonisten zu geben, um ihnen nicht von vorneherein den Ruf eines Verlierers aufzubürden.

Trotz der staatlichen Zensur gelingt March Of Fools ein spannendes Porträt des Lebens im Südkorea der Siebziger Jahre. Das Werk von Ha Kil-jong überzeugt sowohl als period picture, lockere Komödie und melancholische Tragödie.

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DIE ÄRA

Die durch die neuen Wellen der Sechziger Jahre eingeleiteten Veränderungen nahmen auch in den Siebzigern Einfluss. In den USA entstand das New Hollywood und in Europa u.a. der Neue Deutsche Film. Erstmals kumulierten hohe Studiobudgets und die Kreativität junger Regisseure. Gegen Ende der Siebziger sorgte eine neue Entwicklung für die Wende: Die ersten Blockbuster erschienen und etablierten das Konzept marketinginduzierter Kino-Franchises.

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DAS GENRE

Die Komödie zählt zu den Grundfesten des Kinos und funktioniert – wie auch der Horrorfilm – affektgebunden. Deshalb bringt uns der Slapstick aus den Stummfilmen von Charlie Chaplin genauso zum Lachen wie die rasenden Wortgefechte der Screwball-Komödien aus den Dreißiger Jahren, die spleenigen Charaktere von Woody Allen oder die wendungsreichen Geschichten von Billy Wilder.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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