Wie nur wenigen anderen Filmen gelingt es Brazil, Humor und Schrecken zu verbinden. Terry Gilliams Kultfilm beruft sich bei seiner Schilderung einer menschenverachtenden Diktatur zwar auf die klassischen Dystopien von Orwell, Huxley und Co, arbeitet jedoch auch die Herangehensweise von Franz Kafka mit ein, wenn er den riesigen Staatsapparat als groteskes Bürokratiemonster darstellt und durch zahlreiche Überhöhungen ins absurd Komische zielt.

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Filmkritik:

Die Kraft des Films liegt in dem Schmerz, der erst im Komischen seine volle Wirkung entfaltet und sich fortwährend steigert. Der Einstieg versprüht noch schlichten Humor: Wenn der von Jonathan Pryce wunderbar zurückhaltend gespielte Protagonist Sam Lowry am Morgen verschläft und dann auch noch alle seine Haushaltsgeräte verrückt spielen, entspricht das klassischem Slapstickkino und erinnert an die Arbeit Gilliams bei Monty Python. Auch der Arbeitsalltag Lowrys wirkt anfangs amüsant und karikiert das Beamtentum und den unfähigen Vorgesetzten stimmig.

Danach wird es schon ruppiger. Brazil zeichnet das Bild eines grauen, unpersönlichen Großstadtmolochs, in dem die Menschen aneinander vorbei leben, jeder mit sich selbst beschäftigt zu sein scheint. Dann explodieren Bomben. Der Staat führt Festnahmen von unliebsamen Subjekten durch, die danach nie wieder auftauchen.

Über allem schweben die irrwitzigen Entscheidungs- und Kontrollebenen der Ministerien. Hier kommt Gilliams unermessliche Kreativität ins Spiel. Mit dem fantasievollen Setdesign, den schrägen Kostümen und den skurrilen Nebenfiguren fährt der Brite typischerweise von allem zuviel auf, beschäftigt uns damit jedoch derart, dass die bedrückenden Tendenzen immer mal wieder entschärfend in den Hintergrund gerückt werden.

Doch unter dem Deckmantel der unterhaltsamen ersten Hälfte gärt es gewaltig. Das langsame Tempo mag ein Manko von Brazil sein, doch in der zweiten Hälfte steigert sich Gilliams Werk und offenbart, dass hinter der humorvollen Groteske ein existenzielles Drama steckt.

Sam Lowry wird niemals Herr seiner Lage und bleibt immer ein Opfer der Umstände. Sein Widerstand gegen das System muss zwangsläufig scheitern. Doch obwohl das Finale nicht überraschen sollte, tut es dies danke eines genialen Clous doch. Selten erscheint ein Happy End derart tragisch. Und selten wirkt ein Drama so amüsant.

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DIE ÄRA

Nach zwei Jahrzehnten, die sich zunehmend auf anspruchsvolle Werke fokussierten, fand in den Achtziger Jahren ein Umschwung statt. Genrefilme erlebten ein Comeback und Hollywood setzte zunehmend auf aufwendige Blockbuster. Das Unterhaltungskino begann, die Kinolandschaft zu dominieren.

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Der Science-Fiction-Film besitzt eine Vielzahl von Ausprägungen: Erdbesuche von Alien und die Erkundung fremder Planeten zählen ebenso zum Repertoire wie dystopische Dramen und Zeitreisefilme. Dabei ergeben sich oft Schnittstellen zu anderen Genres – vom Horrorfilm bis zur Komödie ist im Sci-Fi-Setting alles möglich.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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