1984

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Filmkritik:

George Orwells wegweisender Buchklassiker 1984 gehört zum Kanon der Weltliteratur. Rund 35 Jahre nach seiner Veröffentlichung erhielt der Roman eine würdige Verfilmung.

Bereits 1956 erschien eine Adaption des Stoffes, konzentrierte sich dabei jedoch vornehmlich auf den Unterhaltungswert und erreicht nicht ansatzweise den Pessimismus der Vorlage. Grund genug für eine werkgetreuere Verfilmung, die passenderweise 1984 in die Kinos kam und sich ganz auf das dystopische Wesen von Orwells Roman besinnt.

Die präzisen Schilderungen des Staatsapparates aus der Buchvorlage kommen in 1984 allerdings ebenfalls weniger zur Geltung, der Film nutzt die Spielzeit vornehmlich, um die Stimmung innerhalb der dystopischen Gesellschaft einzufangen. Das gelingt ausgezeichnet – in jeder Szene herrschen Tristesse und Hoffnungslosigkeit, eine bleierne Schwere liegt über der Welt des Films und durchdringt die entseelten Bürger Ozeaniens.

Wie in so vielen nachfolgenden dystopischen Science-Fiction-Filmen bedient sich auch das Setdesign von 1984 beim Nationalsozialismus und wird durch die Riefenstahl-Ästhetik der Bilder entsprechend in Szene gesetzt. Kein Geringerer als Roger Deakins machte hier seinen ersten Karriereschritt als Kameramann, bevor er sich zu den besten Vertretern seiner Zunft aufschwang und 14 Oscarnominierungen erhielt. Deakins‘ entsättigte Bilder tauchen das London des Films in ödes Graublau und scheinen jedes Sonnenlicht zu absorbieren.

Dramaturgisch erreicht 1984 nicht das Niveau von Orwells Roman, überrascht jedoch mit hoher Konsequenz: Anstatt den Konventionen des Unterhaltungskinos als klassischer Dreiakter zu entsprechen, toppt er die als triste Milieubeschreibung dienende erste Hälfte mit einer zweiten, die eine gefühlte Ewigkeit mit Gehirnwäsche und Folter verbringt. Damit subtrahiert der zuvor schon unangenehm düstere Film von Michael Radford auch das letzte Quäntchen Kurzweil und hinterlässt einen ungemein pessimistischen Eindruck.

Ohne die überzeugenden Schauspieler würde 1984 vielleicht sogar eine Spur zu dröge wirken, doch insbesondere John Hurt trägt das Geschehen in der Hauptrolle des Gedankenverbrechers Winston Smith trotz seiner subtilen Spielweise bravourös. Während Suzanna Hamilton als Smiths Komplizin eher solide agiert, bleibt Richard Burton in seiner letzten Rolle dauerhaft in Erinnerung. Burton wird der ambivalenten Rolle des hohen Parteifunktionärs O’Brian – Spiritus Rector und folternder Großinquisitor in einer Person – absolut gerecht und strahlt sowohl eine tiefe Melancholie als auch eine kalte Unbarmherzigkeit aus.

Michael Radford ist eine werkgetreue Adaption von Orwells Klassiker geglückt. Zwar erreicht auch diese Verfilmung nicht die inhaltliche oder emotionale Tiefe des Romans und wirkt inzwischen ein wenig altbacken, die kompromisslose Dramaturgie und die atmosphärische Bildgestaltung sorgen dennoch für ein lohnenswertes Filmerlebnis.

Handlung:

Im totalitären Staat Ozeanien lebt der kleine Angestellte Winston Smith ein erbärmliches Leben unter den alles überwachenden Augen des regierenden „Großen Bruders“, dessen Kameras und Mikrofone jede Bewegung seiner Untertanen verfolgen. Tagsüber ist es Winston Smiths Aufgabe, im „Ministerium für Wahrheit“ die Geschichte zu fälschen, indem er alte Nachrichtenmeldungen und Dokumente rückwirkend so editiert, dass sie der geänderten offiziellen Sichtweise des Staates entsprechen. Sein Leben nimmt eine verhängnisvolle Wendung, als er eine verbotene Liebesaffäre beginnt. Er vergisst die alles überragende Maxime des Regimes: Big Brother is watching you!

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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