Dabei offenbart sich schnell, wie festgefahren und streng sich das Leben innerhalb des Dorfes gestaltet: Unter dem Deckmantel des Alltäglichen wird durchgehend Macht ausgeübt – Eltern knechten ihre Kinder, Männer ihre Frauen, Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer. Haneke gelingt es nicht nur wunderbar, Kriminalfilmanleihen und Sittengemälde zu verknüpfen, sondern konnotiert mit Das weiße Band letztlich die deutsche Geschichte, indem er die schon regelrecht feindliche Umgebung der Kinder aufzeigt, die später im Nazideutschland leben und wirken werden.
Obwohl sich Hanekes Ansatz durchaus wie vom Österreicher gewohnt ein wenig prätentiös gestaltet, zählt Das weiße Band zu den zugänglichsten Werken des Filmemachers; auch, weil es formal überzeugt: Die erlesenen Schwarz-Weiß-Bilder, die tollen Sets sowie die guten Darsteller hinterlassen einen bleibenden Eindruck und sorgen für eine dichte, bleierne Atmosphäre voll latenter Spannung.