Der Soldat James Ryan

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

Der Soldat James Ryan startet mit einer überaus heftigen Exposition und wirft den Zuschauer mitten in die Landung in der Normandie am D-Day, zeigt den Krieg umfassend und enorm physisch als das, was er am Ende ist – ein blutiges, unmenschliches Gemetzel. Mit den von Granaten zerfetzten oder von Maschinengewehrgarben zerteilten Soldaten proklamiert Der Soldat James Ryan im Gegensatz zu vielen anderen amerikanischen Genrevertretern, ein Anti-Kriegsfilm zu sein und schwört das Publikum nachhaltig auf die Grausamkeit des Krieges ein, denn Helden gibt es hier nicht.

Doch wenn das Inferno der Landung erst mal überstanden ist, setzt das konventionelle Hollywood-Narrativ wieder ein und entwickelt sich zunehmend konträr zum starken Auftakt: Schnell etabliert Der Soldat James Ryan mit seinen bekannten Schauspielern eine Heldentruppe auf glorreicher Mission. Dabei übertreibt es Spielberg mit dem Pathos glücklicherweise nicht so wie in Schindlers Liste, doch einige Dialoge fallen doch reichlich glorifizierend aus und auch die deutschen Soldaten entpuppen sich erwartungsgemäß als böse Abziehbilder. Zeitweilig gemildert wird das filmische Hurra-Geschrei vor allem über die ausgezeichnet geschriebene Figur von Tom Hanks, doch dessen Protagonist ist leider der einzige mit Ecken und Kanten; der Rest des Trupps bleibt leider im wahrsten Sinne des Wortes Kanonenfutter.

Wegen seiner vielen Schauwerte, und der dank des großen Aufwands intensiven Actionszenen lohnt sich das Schauen von Der Soldat James Ryan durchaus, doch aufgrund seiner inhaltlichen Schwächen erreicht Spielbergs Werk nie die Klasse der Referenzfilme des Genres.

Handlung:

Auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkrieges erhält US-Army Captain John Miller einen Spezialauftrag: Er soll mit einem kleinen Trupp hinter den feindlichen Linien operieren, um einen einzelnen Soldaten zu retten: Private James Ryan zog zusammen mit seinen drei Brüdern in den Krieg. Während die drei fielen, scheint James Ryan noch irgendwo im französischen Hinterland am Leben zu sein – und die Army will der Mutter keine vier Söhne in Särgen nach Hause schicken. So begibt sich John Miller auf ein Himmelfahrtskommando…

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5 Comments

  1. Alexander Rafalski 13. November 2013 at 3:04 - Reply

    >> (…) dass Spielberg wohl mehr im Sinn hatte. Was dies war, ist dem Film jedoch nicht mehr zu entnehmen – Ziel verfehlt. <<

    Ich glaube schon, dass der Film eine wichtige "message" transportiert. Schließlich muss der Held am Ende sterben, weil er zuvor nicht die Nerven hatte, einen wehrlosen Kriegsgefangenen zu töten.

    Wichtig ist die "Moral" dieser Geschichte deshalb, weil Kriegs- und Abenteuerfilme ein überwiegend jugendliches Publikum haben – in den USA also den Nachwuchs des US – Militärs. Dem geht Mr. Spielberg netterweise bei der schwierigen Aufgabe, die psychologische Wirkung der "political correctness" von den heutigen amerikanischen Kriegsschauplätzen fernzuhalten, etwas zur Hand (wobei eine Hand die andere waschen wird.

  2. Tom 19. November 2013 at 9:34 - Reply

    Das sehe ich anders. Zwar sind die Eröffnungsszenen am Omaha Beach drastisch geschildert, im weiteren Verlauf wird der Anfang jedoch regelrecht konterkariert, bspw. wenn James Ryan dann, endlich gefunden, gar nicht gerettet werden will, sondern lieber bei der Verteidigung eines irrelevanten kleinen Dorfes sterben möchte und das Script ihn das mit viel Pathos proklamieren lässt.

    Der Nachwuchs des US-Militärs bekommt also zu sehen, dass Sterben zwar schlimm ist, für das Vaterland sterben aber eben auch ehrenvoll, tapfer und bewundernswert.

  3. Reinhard 20. November 2013 at 10:49 - Reply

    Da gebe ich Dir vollkommen recht. James Ryan strotzt vor Spielberg-Pathos. Der Amerikaner wird, wie in praktisch jedem Film dieser Art, als Held dargestellt, der ohne Fehl und Tadel alles für sein Vaterland und für die „Freiheit“ (nach amerikanischen Verständnis) opfert. Insofern tranportiert er es sei amerikanische Bürgerpflicht, dass mindestens ein Familienmitglied beim Militär zu dienen habe.
    Dennoch sind gerade die Anfangsszenen so drastisch und deutlich, manchmal schon in einem angedeutet dokumentarischen Stil, dass die Grundaussage des Films m.E. bis zum Abspann erhalten bleibt. Man darf eben nicht vergessen, dass es sich um einen hochbudgetierten Blockbuster handelt, der eben auch noch einen möglichst hohen Gewinn abwerfen sollte.

  4. Filmsüchtiger 21. Juni 2015 at 18:58 - Reply

    Nachdem ich Der Soldat James Ryan erneut gesehen habe, hat sich meine Meinung ein klein wenig gebessert – das Drehbuch war differenzierter, als ich es in Erinnerung hatte.

    Nun gibt es 5 Punkte und eine neue Kritik.

  5. Greatscifi 26. Juli 2015 at 18:18 - Reply

    Da haben sich unsere Ansichten in diesem Fall doch sehr angenähert :). Diese Kritik finde ich wesentlich differenzierte. Ich bewundere, mit wie wenig Text Du es manchmal auf den Punkt zu bringen vermagst…

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