Die eiserne Rose

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

Obwohl Jean Rollin seine Popularität durch Vampirfilme gewann, kommt sein bekanntestes Werk Die eiserne Rose ohne vordergründig Übersinnliches aus und setzt stattdessen noch konsequenter auf die Melange aus Erotik und Morbidität.

Dabei liefert der französische Regisseur ein Musterbeispiel für das effektvolle Filmen mit wenig Budget und reduziert Handlung, Figuren und Spielzeit auf ein Minimum. Der Plot ist schnell erzählt: Ein frisch verliebtes Pärchen stößt während einer Fahrradtour auf einen ländlichen Friedhof, vergisst aufgrund der sexuellen Spannung die Zeit und wird auf dem Gelände eingeschlossen, sodass es die Nacht zwischen den Grüften verbringen muss.

Auf grelle Effekte verzichtet Rollin ebenso wie auf typische Handlungsmuster; ganz ohne das Auftauchen von Geistern und Dämonen trägt die nächtliche Friedhofsstimmung den Film. Der subtile, geräuschlastige Score und das tolle Set (der teilweise von Pflanzen überwucherte Friedhof ist echt) erzeugen eine im besten Sinne altmodische Schaueratmosphäre. Die Vielzahl an unkonventionellen Kameraperspektiven und die gelungene Beleuchtung betonen im weiteren Verlauf immer stärker die Traumhaftigkeit dieses Kammerspiels.

Auch die beiden jungen Protagonisten erliegen nach und nach dem Einfluss dieses latent bedrohlichen Ortes, die Darstellung ihrer Gefühlszustände zählt jedoch zu den Makeln des Films. Nicht nur verwundert ihre Fahrlässigkeit beim Umgang mit den Insignien der Grabstätten, die reihenweise beschädigt werden, Rollin gelingt es auch nicht, die Stimmungsschwankungen der beiden Figuren nachvollziehbar herzuleiten. Die sprunghaften, unerklärlichen Veränderungen zwischen ihnen verringern die Identifikation und wirken alles andere als rund.

Der Sinn der plötzlichen Konflikte erschließt sich hingegen schnell, bringen sie doch die nötige Dynamik. Das Paar beginnt zu streiten, es kommt sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen und schließlich zu Wahnvorstellungen, wenn sich einer der beiden Eingeschlossenen mehr und mehr mit den Toten identifiziert, anstatt das Leben zu schätzen.

Trotz der Auseinandersetzungen entwickelt sich Die eiserne Rose in keinem Moment zum spannenden Horrorfilm, sondern bleibt ganz seiner sinisteren Atmosphäre verhaftet. Auf der Handlungsebene passiert vor allem im Mittelteil wenig, sodass Rollins Werk trotz der ohnehin kurzen Spielzeit von 77 Minuten eine Kürzung um weitere 10 Minuten gut getan hätte. Das handwerkliche Raffinement und die charismatische Hauptdarstellerin Françoise Pascal helfen jedoch darüber hinweg.

In der großartigen Schlussviertelstunde spielt Die eiserne Rose seine Trümpfe aus und enthebt das Geschehen endgültig konventionellen Maßstäben. Ganz in der Tradition des Gothic Horrors von Edgar Allen Poe erreicht Rollins Werk eine faszinierende Traumebene und zieht uns in seinen Bann. Eros und Thanatos vereinen sich zu einem Reigen, der vom gespenstischen Totentanz der Hauptdarstellerin passend illustriert wird. Das Finale erweist sich als Höhepunkt und hinterlässt einigen Eindruck sowie letzte Worte, die beinahe wie eine Drohung klingen:

„Ihr seid alle tot. Wir leben.“

Handlung:

Während einer Fahrradtour entdeckt ein frisch verliebtes junges Paar einen ländlichen Friedhof. Sie erliegen dem besonderen Charme des Ortes, picknicken in aller Abgeschiedenheit an den Gräbern und turteln, bis die Nacht hereinbricht. Das große Eisentor ist inzwischen verschlossen und das Pärchen sieht sich mit dem geisterhaften Labyrinth aus Gruften und Grabsteinen konfrontiert. Im Dunklen verlaufen sie sich und kämpfen mit der schaurigen Atmosphäre des Friedhofs.

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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