Der postapokalyptische Horrorfilm It Comes At Night zählt zu einer Welle amerikanischer Genrefilme, die mit geringen Budgets produziert wurden und trotz Arthouse-Einschlags auch ein Mainstreampublikum erreichen. Nach It Follows, The Witch, Get Out und A Quiet Place versucht sich nun das nächste Werk an diesem Spagat.

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Filmkritik:

Von Anfang an gelingt es dem zweiten Film von Trey Edward Shults, eine bedrohliche Stimmungskulisse aufzubauen, indem uns der Regisseur und Drehbuchautor zu Beginn jegliche Information vorenthält. Zwar vermittelt It Comes At Night den Eindruck einer im Untergang befindlichen Menschheit, Anlass und Gefahrengrad können wir jedoch nicht einschätzen, weil der kammerspielartige Film lediglich eine Innenansicht bietet. Die Handlung beschränkt sich größtenteils auf ein Landhaus, in dem sich einige Bewohner vor der Außenwelt verschanzt haben.

Untermalt von wunderbar minimalistischer Musik und in finstere Bilder getaucht, vermittelt Shults geschickt die latent gefährlichen Nächte in dieser Behausung. Der sprechende Titel trägt sicherlich zu dem Gefühl des Ausgeliefertseins bei und verspricht vollmundig eine unsichtbare Bedrohung. Doch Genrefans, die vorfreudig auf Zombies, Monster oder Aliens warten, werden enttäuscht – überraschenderweise führt der Titel schlichtweg in die Irre und erzeugt eine falsche Erwartungshaltung.

Trotz dieser unnötigen Enttäuschung bietet It Comes At Night solide Genrekost und orientiert sich an den Stärken von Genreklassikern wie Die Nacht der lebenden Toten oder dem großartigen Endzeitthriller The Survivalist: Die äußere Bedrohung dient vor allem dazu, die Konflikte innerhalb der Gruppe von Überlebenden herauszustellen. Noch in der ersten Hälfte von Shults‘ Werk gesellt sich eine Kleinfamilie zur Hausgemeinschaft, was zwar Vorteile für beide Seiten, aber auch eine gehörige Portion Misstrauen mit sich bringt. Aufgrund des pessimistischen Tonfalls erzeugt It Comes At Night viel Suspense und hält seine bedrückende Stimmung über die gesamte Spielzeit aufrecht.

Obwohl der Film seine wenigen konkreten Konflikte in der zweiten Hälfte schwach ausspielt, bleiben einige spannende Dialogszenen und atmosphärische Höhepunkte im Gedächtnis. Wer keinen Wert auf angreifende Monster legt, wird von It Comes At Night ordentlich unterhalten.

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DAS GENRE

Das Horrorgenre gibt uns die Möglichkeit, Schreckensszenarien durchzuspielen und damit Stress aus unserem Unterbewusstsein abzuleiten. Der Horrorfilm bedroht immer die Normalität – sei es durch Geister, Monster oder Serienkiller. In der Regel bestrafen die Antagonisten die Verfehlungen von Sündern, inzwischen verarbeiten postmoderne Horrorfilme diese Motive jedoch auch ironisch und verbreitern damit die ursprünglichen Sujets des Genres.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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