Mit Die Nacht der lebenden Toten schuf George A. Romero 1968 nicht weniger als einen Meilenstein des Horrorfilms und begründete schlichtweg ein neues Subgenre – den Zombiefilm. Zwar traten auch in früheren Werken schon Untote auf (beispielsweise White Zombie oder Ich folgte einem Zombie), diese waren jedoch ausschließlich vom Voodookult geprägt – erst Romero näherte sich dem Sujet auf deutlich freiere Weise und schuf den Zombie, der inzwischen fester Bestandteil der Popkultur ist.

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Filmkritik:

Für Die Nacht der lebenden Toten verweigerte sich der junge Filmemacher jeglicher Kompromisse und verzichtete auf die Unterstützung durch ein Hollywoodstudio, sondern drehte privat, ohne viel Geld; doch seine Low-Budget-Produktion entfaltet auch mit einfachsten Mitteln eine düstere Atmosphäre und baut viel Suspense auf.

Bei aller Einfachheit der Mittel und trotz des gerne auch mal belächelten Themas offenbart Die Nacht der lebenden Toten das enorme Geschick von Romero, dessen Können hier gerade wegen der reduzierten Möglichkeiten zutage tritt: Sein Drehbuch erweist sich als überaus clever und nutzt die äußere Bedrohung der Zombies lediglich als Katalysator für die Ängste und Spannungen der Protagonisten, deren Konflikte untereinander für psychologische Spannung sorgen.

Romero schrieb nicht nur das Drehbuch und führte Regie, sondern auch die Kamera: Seine ungewöhnliche Perspektivwahl und das enorm stark kontrastierte Schwarz-Weiß definieren die gesamte bedrohliche Situation, während der Schnitt (an dem Romero ebenfalls arbeitete) immer wieder wie ein Rasiermesser dazwischenfährt.

Und dann ist da noch Romero, der politisch Interessierte – einem farbigen Hauptdarsteller die Hauptrolle zu geben und ihn mit Umsicht und Vernunft auszustatten, wo die meisten anderen Figuren in Panik oder Aggression verfallen, zeugt von Mut und wäre von jedem Hollywoodstudio abgelehnt worden. Dabei hat Die Nacht der lebenden Toten das Glück, in Duane Jones einen ordentlichen Hauptdarsteller zu finden.

Das Schauspiel zählt sonst nicht unbedingt zu den Stärken des Films und einige andere, kleinere Schwächen weist er auch auf. So sind die Dialoge eher funktional gehalten und oft ein wenig zu hysterisch, auch die ganz spannenden Einzelszenen bleiben aus; die Atmosphäre, das Suspense und die famose Bildgestaltung gleichen das jedoch spielend aus.

In Erinnerung bleibt zudem noch das wunderbar bösartige Finale, das zunächst die Konflikte innerhalb des von Zombies bedrohten Hauses auf die Spitze treibt und das Geschehen anschließend bitter-ironisch ad adsurdum führt. Die Nacht der lebenden Toten ist ein Genreklassiker par exellence und das Fundament für den ebenfalls sehenswerten, deutlich bekannteren Nachfolger.

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