Der australische Klassiker Picknick am Valentinstag zählt zu den ungewöhnlichsten Horrorfilmen der Kinogeschichte und basiert auf wahren Begebenheiten: Am Valentinstag des Jahres 1900 verschwanden beim Ausflug eines Mädcheninternats einige Personen einfach – ohne Spur, ohne ersichtlichen Grund, ohne Hinweise.

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Filmkritik:

Nach der Hälfte der Spielzeit formuliert eine der Figuren den prophetischen Satz „Auf manche Fragen lassen sich keine Antworten finden.“ Damit charakterisiert sich Picknick am Valentinstag wunderbar selbst: Weirs Film schildert diese Ereignisse mysteriös und zurückhaltend. Verpackt in traumartige Bilder, verzichtet das Drehbuch auf konventionelle Erzählmethoden und verweigert sich jeglicher Antworten. Für geduldige Zuschauer entfaltet Weir ein zeitloses Rätsel und ein hochgradig atmosphärisches Filmerlebnis.

Das Verschwinden der jungen Damen und einer ihrer Aufsichtspersonen könnte selbstverständlich natürliche Ursachen haben. Sie könnten sich schlicht verlaufen haben und im australischen Outback verdurstet sein. Außerdem wurde zuvor vor Giftschlangen und -spinnen gewarnt, die ebenfalls das Schicksal der Schülerinnen besiegelt haben könnten. Oder liegt dem Ganzen gar ein Kriminalfall zugrunde? Die Vermissten wurden auf ihrem Spaziergang abseits ihrer Gruppe von zwei jungen Männern beobachtet – haben sie den Frauen aufgelauert?

Der Film bietet noch eine andere – übernatürliche – Erklärung an. Handelte es sich wirklich nur um einen Zufall, dass alle Uhren um Punkt 12 Uhr mittags stehen blieben? Picknick am Valentinstag liefert ein Musterbeispiel für den hochwirksamen und klugen Einsatz von Musik: Je weiter der Film voranschreitet, desto bedrohlicher und obskurer gerät der Score und evoziert in Verbindung mit der gemäldeartigen, verträumten visuellen Gestaltung das Bild einer bösartigen, unnachgiebigen Natur, in derer Unendlichkeit die Menschen nur unbedeutende Eindringlinge darstellen. Hätte die Natur ein Bewusstsein, würde sie diese Eindringlinge dann dulden? Hat sie ihre Hände nach den Vermissten ausgestreckt?

Trotz der Handlungsarmut an der Oberfläche entwickelt sich im Laufe der Spielzeit höchst subtiles Suspense und das Gefühl latenter Bedrohung, wann immer Menschen und Natur in einem Bildausschnitt vereint werden. Wenn die jungen Frauen in ihren unschuldigen weißen Kleidern durch die meterhohen Felsformationen wandern, wirken sie eingeschlossen und überwältigt, was sich gleichzeitig auch noch als Metapher auf das sexuelle Erwachen der Mädchen im spröden viktorianischen Zeitalter lesen lässt.

Picknick am Valentinstag ist ein schwieriger Film, der von seinem Publikum Geduld und Interpretationsvermögen erfordert, und ein Musterbeispiel für die magische Suggestionskraft des Kinos; ein ewiges Rätsel ohne Antwort zum immer wieder sehen.

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DAS GENRE

Das Horrorgenre gibt uns die Möglichkeit, Schreckensszenarien durchzuspielen und damit Stress aus unserem Unterbewusstsein abzuleiten. Der Horrorfilm bedroht immer die Normalität – sei es durch Geister, Monster oder Serienkiller. In der Regel bestrafen die Antagonisten die Verfehlungen von Sündern, inzwischen verarbeiten postmoderne Horrorfilme diese Motive jedoch auch ironisch und verbreitern damit die ursprünglichen Sujets des Genres.

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DIE ÄRA

Die durch die neuen Wellen der Sechziger Jahre eingeleiteten Veränderungen nahmen auch in den Siebzigern Einfluss. In den USA entstand das New Hollywood und in Europa u.a. der Neue Deutsche Film. Erstmals kumulierten hohe Studiobudgets und die Kreativität junger Regisseure. Gegen Ende der Siebziger sorgte eine neue Entwicklung für die Wende: Die ersten Blockbuster erschienen und etablierten das Konzept marketinginduzierter Kino-Franchises.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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