Die Schwestern von Gion zählt zu den elementaren Vorkriegsklassikern des japanischen Kinos und zeigt eine Gesellschaft am Scheideweg, gefangen zwischen Tradition und Moderne. Vertreten werden die beiden Parts durch jeweils eine von zwei Schwestern, denen der fabelhafte Regisseur und Drehbuchautor Kenji Mizoguchi in seinem Sozialdrama einiges abverlangt.

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Filmkritik:

Zunächst reichen Mizoguchi einige wenige Szenen, um die ungleichen Schwestern zu charakterisieren: Während Umekichi sich traditionell kleidet, ihre in einer Männerwelt untergeordnete Rolle mit Demut trägt und ganz passiv darauf hofft, dass ihr Patron für ihr Auskommen sorgt, verkörpert ihre Schwester Omocha das komplette Gegenteil und versucht, Männer um den Finger zu wickeln und ein selbstbestimmtes Leben nach ihren eigenen Bedingungen zu führen.

Trotz einer Filmindustrie, die gesellschaftskritischen oder „amoralischen“ Tendenzen in Filmen alles andere als aufgeschlossen war – was Mizoguchi selbst auch schon bei seinem im selben Jahr gedrehten Werk Elegie in Naniwa zu spüren bekam – drehte der Regisseur Die Schwestern von Gion gänzlich ohne moralische Wertung und schildert den Lebenswandel seiner beiden Protagonistinnen gleichberechtigt und ohne erhobenen Zeigefinger.

Stattdessen kehrt Mizoguchi mit bitterer Ironie heraus, dass die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft stets durch die Willkür der Männerwelt bestimmt wird – weder traditionelle Demut noch emanzipierte Gegenwehr stellen eine Option für den Gewinn von persönlichem Glück dar, beide Frauen müssen demnach zwangsläufig scheitern.

Dank der so präzisen wie gefühlvollen Inszenierung geht dem Publikum der Werdegang der zwei Schwestern trotz der kurzen Spielzeit von rund 80 Minuten nahe und Mizoguchis minimal melodramatisches Finale funktioniert ausgezeichnet. Die Schwestern von Gion bietet damit auch einen guten Einstieg in das Schaffen des japanischen Ausnahmeregisseurs, der diesem frühen Meilenstein noch viele weitere Werke mit ähnlicher Thematik folgen ließ, deren Entdeckung ebenfalls lohnt.

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DER REGISSEUR

Kenji Mizoguchi gehört zu den Meistern des japanischen Films. Geprägt durch Erlebnisse in seiner Kindheit, drehte er zwanzig Jahre lang Werke, in denen Frauen vom Patriarchat unterdrückt werden und in den Traditionen der Gesellschaft gefangen sind. Für seine wütenden Dramen und Historienfilme entwickelte Mizoguchi einen „fließenden“ Inszenierungsstil, der besonders durch die elegante Kameraarbeit zur Geltung kommt.

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DAS GENRE

Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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