Die Verurteilten

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Filmkritik:

Die Verurteilten vereint viele der Tugenden des Hollywoodkinos und thront seit 2008 noch vor sämtlichen großen Klassikern aus 100 Jahren Filmgeschichte auf dem ersten Platz der IMDB, der Bestenliste mit der größten Zahl an Abstimmenden. Ist Frank Darabonts Werk also das beste aller Zeiten?

Über die IMDB lässt sich eine solche Frage auf jeden Fall nicht beantworten. Aufgrund der großen Breite an Nutzern gleicht die Plattform inzwischen einem wenig relevanten Popularitätswettbewerb, bei dem die ersten 250 Plätze ausschließlich Werken mit gigantischem Bekanntheitsgrad ermöglicht werden, was den Großteil an Kanonklassikern und nicht englischsprachigen Filmen ausschließt. Ganz vorne landen dann jene Produktionen, die nach größtmöglicher Mainstreamkompatibilität streben und den budgetstarken Blockbusterschmieden Hollywoods entstammen. Die IMDB ist eine Bestenliste der Konsensfilme, kein Kanon der besten Werke der Kinogeschichte.

Formulieren wir die eingangs gestellte Frage um: Warum zählt Die Verurteilten zu den beliebtesten Mainstreamfilmen?

Darabonts Adaption einer Novelle von Stephen King verschreibt sich ganz dem Erzählkino und ordnet der Narration alles unter. Die Verurteilten macht es dem Zuschauer leicht: In gediegenem Tempo und unter Ausnutzung einiger Stereotypen widmet sich das Drehbuch ganz der Figurenzeichnung, während der allwissende Off-Erzähler von Anfang bis Ende durch die Geschichte führt und den rauen Gefängnisalltag der Fünfziger Jahre zur modernen Märchengeschichte dekonstruiert.

Wie bei den Gebrüdern Grimm stürzt ein Protagonist ins Verderben, in eine fremde Welt voller Schrecken und Gefahr. Doch gerade im Angesicht der bedrohlichen Einflüsse erwächst etwas Gutes. Die Verurteilten formuliert nicht nur ein Plädoyer für Demut, Durchsetzungsvermögen und ideelle Werte, sondert findet inmitten der Tragik und Melancholie einen lebenbejahenden Tonfall; Freundschaft und menschliche Wärme, Ironisches und Anekdotenhaftes verzaubern die düstere Gefängniswelt. Darabonts Drehbuch erzählt eine spannende Geschichte, deren positiver Habitus die latent vorhandene naive Oberflächlichkeit eindämmt.

Passend zur komfortablen Narration bleibt die handwerkliche Basis im schlechten Sinne unauffällig und orientiert sich ganz am biederen Standard Hollywoods. Die unaufdringliche Kamera, der zahme Schnitt und die etwas zu prominente Musik sind auf vollkommende Kompatibilität ausgelegt und auch Darabonts Regie verzichtet auf sämtliche Sperenzien und überlässt den Darstellern den Raum.

Morgen Freeman erweist sich als die bestmögliche Wahl und eignet mit seiner Aura des gutmütigen weisen Mannes aus einfachen Verhältnissen als Sinnbild des Films. Kaum ein Schauspieler genießt bei Zuschauern aller Geschlechter und Altersgruppen ein derartig positives Ansehen wie Freeman, der selbst über seinen Partner in der Hauptrolle bestimmen durfte und sich für Tim Robbins entschied. Robbins stellt die eigentliche Sensation des Films dar: Sein extrem nuanciertes Spiel verleiht Die Verurteilten die dringend benötigte Glaubwürdigkeit.

Trotz der überdurchschnittlichen Lauflänge von 142 Minuten vergeht die Zeit wie im Flug. Aufgrund seiner Konzentration auf die erzählerischen Elemente wirkt Darabonts Werk ungemein rund und sorgt durchgängig für gute Unterhaltung. Soweit Die Verurteilten aufgrund seiner in jeder Hinsicht konventionellen Natur vom Status eines Meisterwerkes entfernt ist – seine schlichtweg schöne Geschichte ist es wert, erzählt zu werden.

Handlung:

Allein aufgrund von Indizien wird der unschuldige Andy Dufresne Ende der Vierziger Jahre für den Mord an seiner Ehefrau verurteilt – zweimal lebenslänglich, abzusitzen im Shawshank Prison in Maine. Der ehemalige Vizepräsident einer Bank bekommt es nun mit sadistischen Wärtern und vergewaltigenden Mithäftlingen zu tun. Erst in der Freundschaft mit dem ebenfalls für immer inhaftigerten Red findet Dufresne die Stärke, um innerhalb des Gefängnissystems zu überleben…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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