Mit dem düsteren Horrormelodram Katzenmenschen beging Jacques Tourneur 1943 sein Regiedebüt und profitierte enorm von der Kollaboration mit dem legendären RKO-Produzenten Val Lewton. Der straffen, budgetorientierten Produktionsweise zum Trotz zählt der Film aufgrund seiner formvollendeten visuellen Gestaltung inzwischen zum klassischen Kanon des Horrorfilms.

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Filmkritik:

Nicht nur das Budget, sondern auch eine Spielzeit von maximal 75 Minuten zählten zu den Vorgaben des Studios, das durch eine Reihe billiger Horrorfilme einen kalkulierten Gewinn einfahren wollte. Diese Erfordernisse erfüllte das hochgradig ökonomische Drehbuch, das keine Szene zuviel enthält, auf einer simplen Idee fußt und nur wenige Figuren benötigt.

Dank seines für damalige Verhältnisse modernen Themas erzielte Katzenmenschen an den Kinokassen einen ordentlichen Erfolg: Nicht die in den Dreißiger Jahren beliebten Monster und Gespenster, sondern der eigene Verstand erweist sich als böse Kraft des Films, gegen die der Ehemann der Protagonistin mit Hilfe eines Psychoanalytikers ankämpft.

Oder treiben hier doch höhere Mächte ihr Unwesen? Immerhin glaubt die junge Irena, verflucht zu sein. Handelt es sich um den Aberglauben einer sozial isolierten Einwanderin, die ihre unterdrückte Sexualität nicht ausleben kann, oder gehört sie doch zu den Katzenmenschen, die sich in große Katzen verwandeln und ihre Liebhaber zerfleischen, sobald sie ihrem Begehren nachgeben? Tourneurs Regie spielt geschickt mit zahlreichen metaphorischen Details und vermeidet es über weite Strecken, sich auf eine Deutung festzulegen, was den Reiz von Katzenmenschen ausmacht.

Aufgrund der kurzen Spielzeit verläuft die Figurenentwicklung recht schnörkellos und geht wenig in die Tiefe, doch dank der famosen Bildgestaltung erzeugt Tourneurs Werk dennoch eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die dunklen Schwarz-Weiß-Bilder verbinden die typischen Elemente des Horrorgenres mit den Stilmerkmalen des aufkommenden Film Noir. Wie der Film mit Licht und Schatten spielt und seine Low-Key-Beleuchtung einsetzt, bereitet einigen Spaß.

Die ganz große Spannung serviert Katzenmenschen nicht, doch Tourneurs Werk überzeugt immer dann, wenn sich das Geschehen im Kopf des Zuschauers abspielt und die tolle Präsentation ihre Stärken ausspielen kann.

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DIE ÄRA

Die Vierziger Jahre wurden durch den Zweiten Weltkrieg geprägt. Die pessimistische Weltlage schwappte in die Filmwelt über und sorgte für einen ernsteren Tonfall und düstere Bilder. Gleich zwei Strömungen von Weltruf entstanden in diesem Jahrzehnt: Der Film Noir mit seinen harten Genrefilmen und der Italienische Neorealismus mit seinem Pessimismus.

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DAS GENRE

Das Horrorgenre gibt uns die Möglichkeit, Schreckensszenarien durchzuspielen und damit Stress aus unserem Unterbewusstsein abzuleiten. Der Horrorfilm bedroht immer die Normalität – sei es durch Geister, Monster oder Serienkiller. In der Regel bestrafen die Antagonisten die Verfehlungen von Sündern, inzwischen verarbeiten postmoderne Horrorfilme diese Motive jedoch auch ironisch und verbreitern damit die ursprünglichen Sujets des Genres.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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