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Vampyr – Der Traum des Allan Grey

Ein Film von 
Genres: Fantasyfilm, Horrorfilm | Gattung: Stummfilm | Erscheinungsjahr: 1932 | Jahrzehnt: 1930 - 1939 | Produktionsland: Dänemark
Carl Theodor Dreyers Horrorfilm Vampyr – Der Traum des Allan Grey greift auf den schon damals beliebten Vampirmythos zurück, begnügt sich aber nicht mit einer simplen Schauergeschichte. Stattdessen inszeniert Dreyer einen Albtraum, der stetig surrealer gerät und dank stimmiger Effekte mit einer magischen Stimmung fesselt.
Gattung: Stummfilm
Erscheinungsjahr: 1932
Jahrzehnt: 1930 - 1939
Produktionsland: Dänemark
Carl Theodor Dreyers Horrorfilm Vampyr – Der Traum des Allan Grey greift auf den schon damals beliebten Vampirmythos zurück, begnügt sich aber nicht mit einer simplen Schauergeschichte. Stattdessen inszeniert Dreyer einen Albtraum, der stetig surrealer gerät und dank stimmiger Effekte mit einer magischen Stimmung fesselt.

Filmkritik

Der Film spielt in dem Dorf Courtempierre. Der Name verleitet zu der Annahme, das Örtchen befände sich irgendwo in der französischen Provinz; Dreyers Werk verortet es jedoch in einer düsteren Zwischenwelt aus Schatten und Fieberträumen. Hier taucht eine fahle Sonne die Landschaft in bleiches Leichenlicht und dringt doch nie in das Innere der Häuser.

Als der Protagonist Allan Grey sich in den Ort verirrt und Zeuge seltsamer Geschehnisse wird, erweckt Vampyr den Eindruck, die Gesetze von Zeit und Physik außer Kraft zusetzen.

Aus der Zeit gefallen wirkt auch das anachronistische Schaffen von Carl Theodor Dreyer. 1932, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, hatte sich der Tonfilm schon zur dominierenden Produktionsweise entwickelt, der Stummfilm hingegen wurde beerdigt. Doch Vampyr erweist sich als nicht ruhender, untoter Vertreter einer verstorbenen Gattung und verschreibt sich vollends dem deutschen Expressionismus der Zwanziger Jahre.

Streng genommen handelt es sich zwar um einen Tonfilm, doch die Geschichte wird vor allem über Texttafeln und musikalische Akzente erzählt, während hörbare Dialoge sich auf ein Minimum beschränken und vornehmlich in geisterhafter Flüsterei vorgetragen werden, die in der Musik beinahe untergeht.

Handwerklich zählt Vampyr zu den größten Leckerbissen seiner Ära: Dreyers Stummfilmästhetik begeistert mit eindrucksvollen Licht- und Schattenspielen und seine Inszenierung mit ungewöhnlichen, regelrecht verzerrten Perspektiven, doch darüber hinaus konzentrierte sich der dänische Regisseur vor allem auf das Erzeugen einer traumartigen Atmosphäre, was ihm überragend gelingt.

Hierfür drehte er Vampyr an Originalschauplätzen im dämmrigen Licht der auf- oder untergehenden Sonne, mit extra angefertigten Kamerafiltern und teilweise auf vorbelichtetem Filmmaterial. Die zahlreichen Verfremdungen nehmen dem Dorf Courtempierre jegliche ländliche Beschaulichkeit und versetzen es in eine regelrecht apokalyptische Zwischenwelt, lassen jeden Bewohner latent feindlich wirken und den Protagonisten hilflos.

Trotz seines Horrorsujets weist Vampyr wenig Spannung auf, die Vampirthematik nutzt das Drehbuch nur rudimentär, als Grundlage für den magischen Trip ins Surreale. Dabei bleibt der Protagonist stets in der Beobachterrolle: Die Geschehnisse widerfahren ihm, während er selbst wenig unternimmt.

Doch nicht nur Allan Grey, auch der Zuschauer kann sich in der gespenstischen Welt verlieren, sich wie bei den Filmen von David Lynch auf das Erleben des Moments, die emotionale Anteilnahme konzentrieren oder alternativ versuchen, die elliptischen Geschehnisse zu deuten, Traum- und Wirklichkeitsebene zu trennen.

Ob Vampyr einen jungen Mann zum Spielball eines Untoten werden lässt oder die letzten Züge eines wahlweise sterbenden oder wahnsinnigen Geistes visualisiert, vielleicht gar parabelhaft die schwierigen Umstände im wechselhaften Schaffen von Dreyer selbst reflektiert, bleibt offen und reizvoll bei weiteren Sichtungen.

Trotz der kurzen Spielzeit von 73 Minuten sollte erfordert Vampyr Geduld, denn in der hypnotischen Parallelwelt Courtempierres scheinen die Uhren wesentlich langsamer zu laufen, das Geschehen zieht sich bisweilen etwas; dies bietet jedoch zumindest die Möglichkeit, eine gefühlte Ewigkeit in Dreyers schaurigen Fiebertraum einzutauchen – aufwachen schwer möglich. Vampyr zählt zu den eindrucksvollsten Horrorklassikern der Filmgeschichte.

★★★★☆☆

Carl Theodor Dreyer

Dass Carl Theodor Dreyer zu den größten Regisseuren seiner Zeit zählt, erkannten Kritiker leider erst retrospektiv. Dreyers bemerkenswerte Stummfilme spielten kaum Geld ein, weshalb der Däne zwischen 1932 und 1964 nur drei Spielfilme drehte. Inzwischen gelten Dreyers Werke als unbestrittene Klassiker. Ihre Kraft entfalten seine Filme durch ein verhaltenes Tempo und eine düstere Bildgestaltung, sie sind spirituell und bodenständig zugleich.

Foto von Carl Theodor Dreyer

Stummfilm

Alles andere als staubig – noch immer lohnt es sich ungemein, Stummfilme zu schauen. Die einmalige Ästhetik der Ära hat einige der größten Filme der Kinogeschichte hervorgebracht. Durch die zunehmende Professionalisierung ab 1910 beeindrucken viele Stummfilme mit enormen Produktionsaufwand, immer ausgefeilteren Effekten und zunehmend komplexerer Erzählweise.

Filmszene aus Metropolis

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Foto Tom Schünemann

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.
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