Wirklich zu schocken vermag Tanz der toten Seelen das heutige Publikum nicht mehr, ein interessantes Kleinod bleibt der Horrorfilm dennoch und wirkt wie eine vereinfachte Blaupause für psychologischen Grusel, wie ihn später auch Roman Polanski oder David Lynch in ihren Werken einsetzten.
Auch Harvey, der hauptsächlich Dokumentarfilme drehte, besitzt ein gutes Gespür für wirkungsvolle Bilder: Mittels simpler Doppelbelichtungseffekte, ungewöhnlicher Kamerapositionen und der Konzentration auf metaphorische Symbolik vermittelt Tanz der toten Seelen die Albtraumwelt seiner Protagonistin gekonnt.
Das niedrige Tempo und der zahme Spannungsbogen offenbaren, dass Harveys Werk schlecht gealtert ist, doch die subtilen visuellen Qualitäten und der Charme sorgen dennoch für ein solides Filmerlebnis, das durch das uneindeutige Finale hübsch abgerundet wird.
Von Harveys in Schwarz-Weiß gedrehtem Werk existiert auch eine nachträglich eingefärbte Version – ich empfehle, den Film im Original zu schauen; insbesondere die Geister kommen so deutlich besser zur Geltung.