Das vom Poetischen Realismus geprägte Melodram Große Freiheit Nr. 7 besitzt eine erstaunliche Ambivalenz, die auf allen Ebenen wirkt. Helmut Käutner gelang es, den in Nazideutschland gedrehten Film vor einer propagandistischen Vereinnahmung zu schützen – Goebbels war erbost. Die geforderte St. Pauli-Romantik ist ebenso vorhanden wie einige komödiantische Noten, doch die launige Kiez-Atmosphäre erweist sich als schal und kann nicht über den tragischen Kern der Erzählung hinwegtäuschen. Passend dazu spielt der gegen sein Image besetzte Hans Albers einen Selbstbetrüger, der in trotziger Behauptung verknöchert ist. Damit wirkt die Welt von Große Freiheit Nr. 7 trotz des charmanten Hamburger Kolorits manchmal wie bei Fassbinder – mit Figuren, gefangen und umhergeschubst in einer starren, künstlichen Welt. Dazu trägt auch das markante braun-grüne Agfacolor bei.