Mit Michael Clayton legt Tony Gilroy nach vielen Jahren als Drehbuchautor (u. a. Im Auftrag des TeufelsArmageddon und die Bourne-Trilogie) sein Regiedebüt vor und inszenierte einen zurückhaltenden Wirtschaftskrimi, der im besten Sinne altmodisch daherkommt und sich auf fantastische Darsteller verlassen kann.

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Filmkritik:

Co-Produzent und Hauptdarsteller George Clooney steht im Zentrum des Films und ist eigentlich auf souveräne coole Typen abonniert, muss für die Rolle des titelgebenden Protagonisten jedoch deutlich mehr anbieten und liefert eine seiner besten Leistungen der letzten Jahre ab. Es macht großen Spaß, Clooneys nuanciertes Spiel zu beobachten, wenn sein zerknitterter Michael Clayton, der durch äußere Zwänge in eine Drucksituation getrieben wird und krampfhaft darum kämpft, die Zügel in der Hand zu behalten, in Sekundenschnelle auf neue Ereignisse reagieren, abwägen und entscheiden muss.

Sein Pendant auf der Seite der Antagonisten agiert dabei auf Augenhöhe: Tilda Swinton tritt einmal mehr bemerkenswert uneitel auf und verkörpert ihre über Leichen gehende Karrierefrau wunderbar neurotisch. Mit ihrem körperlichen Spiel umgeht sie die Gefahr, wie eine Karikatur zu wirken und gewann 2008 vollkommen verdient den Oscar als beste Nebendarstellerin.

Michael Clayton erweist sich von Anfang an als Film über den Kapitalismus. Der immense Druck, der auf allen Charakteren lastet und sie fortwährend zum Handeln zwingt, spricht Bände über die Welt, in der sie sich bewegen. Genüsslich seziert Gilroy seine Erfolgsmenschen, die sich nach außen hin selbstsicher und willensstark geben, aber innerlich kurz vor dem Kollabieren stehen und damit an das Wesen der zum Veröffentlichungszeitpunkt gerade anbrechenden Finanzkrise erinnern, die sich anfangs niemand eingestehen wollte.

Seinen Krimiplot erzählt das Drehbuch mit pragmatischer Ökonomie und nach alter Schule: Dialoge treiben die Handlung voran, Actionszenen fehlen beinahe komplett. Michael Clayton zählt nicht zu den Werken, in denen sich ständig etwas verändert, sondern schildert den Ist-Zustand des modernen Kapitalismus und seiner Jünger. Der Handlungsarmut zum Trotz ergibt sich der Reiz des Films aus der Frage, welche Fraktion zuerst zusammenbricht; nicht der Sieg, sondern das Abwenden der Niederlage steht im Fokus.

Die geradlinige Inszenierung und die kühle Bildgestaltung spiegeln die seelenlose Welt von Michael Clayton geschickt wieder und erzeugen eine dichte Atmosphäre. Erst im Finale wird die omnipräsente Dunkelheit durchbrochen: Eine schlichte Dialogszene in einem hell erleuchteten Saal – allein das Licht drückt eine diffuse Hoffnung auf Besserung aus, bevor uns der Film in die grandiosen Schlusscredits entlässt, während der wir den Protagonisten noch einige Minuten auf der Rückbank eines Taxis beobachten und mit ihm gemeinsam über die perversen Auswüchse unserer heutigen Gesellschaft sinnieren können.

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DAS GENRE

Der Kriminalfilm zählt aufgrund unterschiedlichster Ausprägungen zu den breitesten Genres. Die sogenannten Whodunnits beschäftigen sich mit der Täterfindung in einem einzelnen Fall; ebenso zählen die fatalistischen Detektivgeschichten des Film Noir zum Genre. Nicht zu vergessen sind Werke aus der gegensätzlichen Perspektive: Die Heist- und Gangsterfilme machen einen wesentlichen Teil des Krimigenres aus.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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