Der Independentfilm The Man From Earth wurde nicht nur mit minimalem Budget in einem einzigen Zimmer gedreht, sondern verfügt über eine interessante Idee: Was könnte ein Mensch erzählen, der seit 14.000 Jahren lebt?

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Filmkritik:

Dabei verzichtet das ungewöhnliche Science-Fiction-Kammerspiel auf jeglichen Schnickschnack und versammelt seine Protagonisten direkt in den ersten Minuten in einem Raum mit dem vermeintlich Unsterblichen – genretypische Schauwerte gibt es dabei ebenso wenig wie sonstige Ablenkungen; ein Raum, die Darsteller und die Idee füllen die gesamte Spielzeit.

In seinen besten Momenten funktioniert The Man From Earth dann auch gar nicht auf dem Bildschirm, sondern im Kopf des Zuschauers. Wenn der unsterbliche John Oldman Momente aus seiner Vergangenheit beschreibt, sehen wir diese vor unserem geistigen Auge und vermögen es je nach eigenem Gusto, die Schilderungen spannend oder dramatisch zu finden.

Leider geht der Film fahrlässig mit seinem Potenzial um. Weniger stark ins Gewicht fallen die in diesem Genre nicht unüblichen Plausibilitätsschwächen, sondern die eigene Prämisse: The Man From Earth erzählt schlicht zu wenig, sondern beschränkt sich auf lose Randnotizen. Was nützt es, die großen Themen des Lebens – Philosophie, Religion, Geschichte, Wissenschaft – anzuschneiden, wenn jedes Sachgebiet direkt wieder fallen gelassen wird?

Nahezu verzweifelt behauptet der Film Tiefgang, findet ihn aber nicht; dass es sich bei nahezu allen Anwesenden um Professoren und Intellektuelle handelt, aber niemand einen tief gehenden Gesprächsfluss zustande bringt, enttäuscht und verwundert. Doch nicht nur die Figurenzeichnung erweist sich als schwach, auch die hölzernen Darsteller können keine Begeisterung entfachen.

Den Drehbuchautoren schien dieses Defizit bewusst zu sein, weshalb sie in der zweiten Filmhälfte die ganz großen Geschütze auffahren und damit den letzten Funken ihrer magischen Idee zerstören, als Oldman sich letztlich als einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte zu erkennen gibt. Der Reiz der hypothetischen Vergangenheit fällt dadurch regelrecht in sich zusammen.

Übrig bleibt nur die Frage, ob Oldman tatsächlich unsterblich ist oder dies nur als Partygag vorgibt. Leider verpasst es The Man From Earth auch hier, Raum für Interpretationen zu lassen und beantwortet dies im einfallslosen Finale. Wie eine derartige Idee besser funktioniert, zeigt der sechs Jahre zuvor erschienene Hollywoodfilm K-Pax mit Kevin Spacey.

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DAS GENRE

Der Science-Fiction-Film besitzt eine Vielzahl von Ausprägungen: Erdbesuche von Alien und die Erkundung fremder Planeten zählen ebenso zum Repertoire wie dystopische Dramen und Zeitreisefilme. Dabei ergeben sich oft Schnittstellen zu anderen Genres – vom Horrorfilm bis zur Komödie ist im Sci-Fi-Setting alles möglich.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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