Ohne sich um eine Genreklassifizierung zu scheren, reiht The Wicker Man dann auch noch heiter einen Krimiplot sowie zahlreiche musikalische Szenen in sein launiges Konstrukt ein, was letztlich dazu führt, dass sich der Film nicht als gruselig erweist oder besondere Gänsehautqualitäten mitbringt. Doch das ist nicht weiter tragisch, denn der Klassiker glänzt durch seine Exzentrik und fesselt sein Publikum mit der unschlagbaren Kombination aus sexueller Spannung und verborgener Geheimnisse.
Reichlich undurchsichtig erscheinen die Bewohner der Insel Summerisle, die dem Christentum abgeschworen haben und einem heidnischen Fruchtbarkeitskult frönen, auf den vom Festland stammenden und streng christlich veranlagten Polizisten Neil Howie, der den Fall eines verschwundenen Mädchens aufklären soll. Geschickt baut das Drehbuch die zahlreichen Widersprüche und Andeutungen auf: Zunächst scheint niemand das Mädchen zu kennen, dann soll es verstorben sein, schließlich findet Howie jedoch keinerlei Todesurkunde und auch keine Leiche.
Während der fruchtlosen Ermittlungen des steif umherschreitenden Polizisten rüsten sich die Inselbewohner zu einem ganz und gar unchristlichen Fest unter Leitung des örtlichen Lords, der von Christopher Lee wunderbar schalkhaft gespielt wird. Die sexuellen Konnotationen, die seltsamen Mythen und Kostüme stören den braven Howie, der sich sein Sexualleben für die Ehe aufspart, immer stärker. Immer verzweifelter sucht er Spuren und Hinweise, als könnte ein gefundener Schuldbeweis gleichzeitig das verruchte Treiben der Inselbewohner als sündhaft belegen, ihr beinahe utopisches Miteinander als satanische Perversion des himmlischen Paradieses entlarven.
The Wicker Man etwas eigen zu nennen, wäre noch untertrieben. Der Film macht sich im Wortsinne einen Heidenspaß aus den skurrilen Situationen, in die der Protagonist gerät, und gönnt sich als B-Movie eine Direktheit, die bisweilen etwas platt erscheint. Gleichzeitig überzeugt Robin Hardys unkonventionelles Werk jedoch auch mit einigem Suspense, einem hohen Unterhaltungswert und dem tollen Finale, das die einfallsreiche Idee fabelhaft abrundet.