TV-Tipps

Januar 2024

Welch wunderbarer Start ins neue Jahr – der Januar bietet ein gutes Dutzend sehenswerte Filme und eine schöne Mischung aus Klassikern und modernen Höhepunkten.

Zudem gibt es nach wie vor 10 Filme von Yasujirō Ozu und sieben Werke Lars von Triers sowie den wunderbaren Anti-Horrorfilm Picknick am Valentinstag (Link) in der Mediathek von ARTE.

Die Rubrik TV-Tipps versucht, die immense Menge an TV-Ausstrahlungen zu kuratieren. Nur wenige Filme pro Monat werden berücksichtigt. Voraussetzung dafür sind Werbefreiheit und eine vernünftige Sendezeit.

Nur die Sonne war Zeuge

René Clément | 1960 | Frankreich

Filmszene aus Nur die Sonne war Zeuge

Die erste Adaption des Patricia Highsmith-Romans Der talentierte Mr. Ripley irritiert zunächst mit seinem gediegenen Tempo, das für einen Thriller unpassend erscheint. Doch dahinter steckt Methode: Statt das Geschehen auf permanente Hochspannung auszurichten, baut Nur die Sonne war Zeuge genüsslich Suspense auf und kitzelt fortwährend unsere Erwartungshaltung. Die Bilder des italienischen Hochsommers verleihen dem Klassiker von René Clément eine fiebrige Stimmung, die Spitzenbesetzung mit Maurice Ronet und Alain Delon begeistert.

Am Mittwoch, dem 03. Januar 2024, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Basic Instinct

Paul Verhoeven | 1992 | USA

Filmszene aus Basic Instinct

Basic Instinct überführte den Film Noir in die Neunziger Jahre und erzählt die klassische Story von der Femme fatale und dem hard-boiled Hero auf skandalträchtige Weise – die zeigefreudigen Sexszenen sorgten für Schlagzeilen. Der Erfolg zog zahlreiche Epigonen nach sich, doch keiner erreicht das Niveau des Originals, denn Basic Instinct hat deutlich mehr zu bieten als schlüpfrige Tatsachen. Paul Verhoeven beweist ein untrügliches Gespür für unsere Schaulust und spielt mit Erwartungen; die Dialoge treffen durchweg ins Schwarze; die Chemie zwischen Michael Douglas und Sharon Stone ist umwerfend.

Am Freitag, dem 05. Januar 2024, um 22:25 Uhr auf 3SAT.

Schachnovelle

Philipp Stölzl | 2021 | Deutschland, Österreich

Filmszene aus Schachnovelle

Das ambitionierte Vorhaben, Stefan Zweigs Schachnovelle zu adaptieren, ist Philipp Stölzl geglückt. In seiner freien Interpretation verbreitert der Regisseur den Stoff auf zwei ineinander verzahnte Erzählstränge, die den Protagonisten in der Isolationshaft der Gestapo sowie auf der Schiffsfahrt in die Freiheit zeigen. Stölzl opfert die Subtilität der Vorlage einer möglichst effektvollen Erzählung und sorgt für Brüche, die das Geschehen infrage stellen. Erinnerungen, Traumata und Wunschvorstellungen gleiten ineinander und verdeutlichen den zerrütteten Geisteszustand des Protagonisten, der von Oliver Masucci phänomenal gespielt wird.

Am Samstag, dem 06. Januar 2024, um 21:40 Uhr auf ONE.

Das Fenster zum Hof

Alfred Hitchcock | 1954 | USA

Filmszene aus Das Fenster zum Hof

In Das Fenster zum Hof treibt Alfred Hitchcock das für ihn typische Spiel mit dem Voyeurismus des Zuschauers auf die Spitze. Der Master of Suspense inszeniert seinen Krimi als Kammerspiel und installiert James Stewart als Stellvertreter unserer Neugierde – an den Rollstuhl gefesselt und mit einem Fernglas ausgestattet, wird er Zeuge eines Mordes im Haus gegenüber. Oder doch nicht? Der Klassiker sorgt mit uneindeutigen Indizien für Spannung und nutzt dafür ein intelligentes Setdesign.

Am Sonntag, dem 07. Januar 2024, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Stalag 17

Billy Wilder | 1953 | USA

Filmszene aus Stalag 17

Stalag 17 spielt während des Zweiten Weltkrieges und nutzt ein deutsches Lager für Kriegsgefangene als Schauplatz für einen waghalsigen Spagat zwischen Komödie und Kriminalfilm. Die Genre-Melange geht nicht immer auf, doch Wilders typisch scharfzüngige Dialoge sorgen für einen hohen Unterhaltungswert; trotz einiger suspensehaltiger Momente bleibt Stalag 17 als Krimi lange mau, erst im letzten Drittel schlägt er aus seinem Szenario Kapital. Bemerkenswert ist allerdings der untypische Anti-Held, der die Moral in Kriegszeiten auf die Probe stellt und von William Holden großartig gespielt wird.

Am Montag, dem 22. Januar 2024, um 20:15 Uhr auf ARTE.

Blue Velvet

David Lynch | 1986 | USA

Filmszene aus Blue Velvet

In vielerlei Hinsicht steigerte David Lynch in Blue Velvet das Erfolgsrezept seiner Kultserie Twin Peaks: Erneut entlarvt der Filmemacher den Horror hinter der Fassade einer malerischen Kleinstadt, allerdings verzichtet der Film auf den skurrilen Humor der Serie und forciert stattdessen blankes Entsetzen. Dazu trägt besonders Dennis Hopper als gewalttätiger Psychopath bei, der jede seiner Szenen in einen Albtraum verwandelt. Neben der durchweg exzellenten Besetzung (Kyle MacLachlan, Laura Dern, Isabella Rossellini) und der Musik von Angelo Badalamenti begeistern die ansehnlichen Bilder und die durchweg bedrohliche Stimmung.

Am Montag, dem 22. Januar 2024, um 22:10 Uhr auf ARTE.

Empfehlungen:

03.01.2024 – Nur die Sonne war Zeuge – 20:15 Uhr auf ARTE

05.01.2024 – Basic Instinct – 22:25 Uhr auf 3SAT

06.01.2024 – Schachnovelle – 21:40 Uhr auf ONE

07.01.2024 – Das Fenster zum Hof – 20:15 Uhr auf ARTE

22.01.2024 – Stalag 17 – 20:15 Uhr auf ARTE

22.01.2024 – Blue Velvet – 22:10 Uhr auf ARTE

Einen Blick wert:

01.01.2024 – Der Partyschreck – 20:15 Uhr auf ONE

02.01.2024 – Rocky – 20:15 Uhr auf ARTE

06.01.2024 – Die fabelhafte Welt der Amélie – 18:20 Uhr auf ONE

08.01.2024 – Das Leben der Anderen – 20:15 Uhr auf ONE

15.01.2024 – Brügge sehen … und sterben? – 21:55 Uhr auf ARTE

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