Stattliche zwei Stunden und vierzig Minuten beträgt die Spielzeit von Zwei glorreiche Halunken, der seine drei Charaktere auf die Jagd nach einem Goldschatz schickt und sich im Gegensatz zu den ersten beiden Werken der Trilogie weniger um eine geschlossene Handlung bemüht, sondern das Geschehen episodenhaft schildert.
Damit verkehrt Leone das alles verdichtende Erzählprinzip aus Für eine Handvoll Dollar gänzlich ins Gegenteil und wirbt offensiv um das Prädikat „Epos“. Wie der Film seine drei Protagonisten in ständig wechselnden Konstellationen zusammenbringt sorgt ebenso für viel Abwechslung wie die unzähligen Konflikte und Handlungsorte, der Spannungskurve ist das stete Auf und Ab in Verbindung mit der langen Spielzeit jedoch nicht zuträglich; zu viele Episoden ließen sich beliebig tauschen, weil sie keinen Einfluss auf die Handlung ausüben und nur um ihrer selbst willen vorhanden sind.
Als grenzwertig erweist sich auch der kräftig erhöhte komödiantische Faktor, der ebenfalls für einen größeren Unterhaltungswert sorgt, aber die Spannung torpediert – Zwei glorreiche Halunken setzt auf derart viel Komik und lockere Sprüche, dass er fast schon wie eine Parodie auf das ernste Westerngenre wirkt und sich der Zuschauer zu keinem Zeitpunkt Sorgen um die Protagonisten machen muss.
Wo diese in den anderen beiden Filmen zumindest szenenweise auch mal die Unterlegenen waren, inszeniert Leone in Teil 3 einen munteren Reigen, der keine echten Bedrohungen mehr kennt, weil jedes Problem mit flotten Sprüchen kaschiert und mehr geredet als geschossen wird.
Dass Zwei glorreiche Halunken trotzdem funktioniert, liegt an jenen Stärken der Trilogie, die Leone auch in Teil Drei unangetastet ließ: Die Inszenierung bietet einige Highlights, die Musik von Ennio Morricone erweist sich einmal mehr als fantastisch und die Bildgestaltung als sehenswert, während die Darsteller mit ihrem gewohnten Charisma glänzen.
Clint Eastwood und Lee van Cleef knüpfen nahtlos an ihre Parts aus dem Vorgänger an, während Eli Wallach als ständig quasselnder Glücksritter Gian Maria Volonté ablöst. Letzterer mag der bessere Schauspieler sein, doch Wallach verleiht Zwei glorreiche Halunken den von Leone gewünschten Schwung und eine weitere humoristische Note.
Allerdings ergibt sich durch den Verlust des Vollblutbösewichtes Volonté auch das Problem, dass Zwei glorreiche Halunken keinen Antagonisten mehr besitzt – das Publikum kann einem von drei Antihelden die Daumen drücken, doch der Reiz des Bösen bleibt uns hier verwehrt.
Das macht sich auch im Finale bemerkbar. Hier läuft Leone zur Hochform auf und entwirft ein spannendes Szenario, doch eben hier kumulieren sich auch die Schwächen des Films: Das große Duell um das viele Gold verkommt regelrecht zu einem Spiel, bei dem mit flotten Sprüchen und coolen Tricks der Gewinner ausgeknobelt wird.
Das ist in jedem Moment hervorragend gedreht und sorgt für gute Unterhaltung, führt jedoch das Westerngenre auch endgültig ad absurdum und markiert folgerichtig den nicht mehr steigerbaren Schlusspunkt einer Trilogie, die Maßstäbe gesetzt und Kinogeschichte geschrieben hat.