Brawl In Cell Block 99

Ein Film von S. Craig Zahler

Genre: Thriller

 

 | Erscheinungsjahr: 2017

 | Jahrzehnt: 2010 - 2019

 | Produktionsland: USA

 

Mit seiner zweiten Regiearbeit Brawl In Cell Block 99 erweckt S. Craig Zahler den Geist der Grindhousekinos zu neuem Leben. Auf seine harte Gewaltdarstellung sollte der größtenteils im Gefängnis spielende Thriller allerdings nicht reduziert werden. Zahlers Film besticht durch eine ungemein dichte Atmosphäre, enorme Spannung und eine packende Inszenierung.

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Filmkritik:

Zu Beginn weckt Brawl In Cell Block 99 Erinnerungen an den Film Noir: Der hünenhafte Ex-Gangster Bradley Thomas verliert seinen Job und steht vor dem Scheitern seiner Ehe. Er besinnt sich auf das Einzige, was er gut kann, und kehrt in die Unterwelt zurück. Als dann ein Drogengeschäft missglückt und der Gangster im Gefängnis landet, wandelt sich Brawl In Cell Block 99 zum Exploitationfilm. Um seine Frau und ihr ungeborenes Kind zu retten, muss Thomas das Gefängnis in ein Inferno der Gewalt verwandeln.

2007 trugen Quentin Tarantino und Robert Rodriguez mit Death Proof und Planet Terror den Charme der Grindhousekinos in den Mainstream und machten Appetit auf Werke, die sich lustvoll ihrem Genre hingeben. Schon mit seinem Debütfilm Bone Tomahawk, einem Backwoodhorror-Western, offenbarte sich Multitalent S. Craig Zahler als Bruder im Geiste; mit seinem zweiten Werk Brawl In Cell Block 99 begibt sich Zahler nun vollends in die Welt des Exploitationfilms.

Sein Gefängnisthriller unterscheidet sich jedoch in einem wesentlichen Punkt von den vorgenannten Werken. Wo Death Proof und Planet Terror als ironische Hommage konzipiert waren, besinnt sich Zahler auf das Wesentliche und liefert einen zähnefletschenden Reißer ohne Kompromisse ab.

Zahler drehte ein Werk in der Tradition der Filme von Sam Fuller und Howard Hawks: in höchstem Maße geradlinig und kompromisslos, dabei aber auf hohen handwerklichen Niveau und trotz aller Gewaltdarstellung ohne fragwürdige Sensationsgeilheit. Es ist eine Wohltat, mal wieder einen Genrefilm sehen zu können, der Protagonisten und Zuschauer gleichermaßen ernst nimmt.

Bevor die zweite Hälfte des Films für ein Höchstmaß an Spannung und Dramatik sorgt, gönnt sich Brawl In Cell Block 99 ein verhaltenes Tempo. Insbesondere die erste halbe Stunde legt den Fokus auf die Figurenzeichnung und das Erzeugen der Stimmung. Was in herkömmlichen Genrefilmen aus dem Drehbuch gestrichen worden wäre, erzeugt hier das emotionale Fundament, auf dem Zahlers Werk alles andere aufbaut.

Der fatalistische Plot und die grellen, übersättigten Bilder erinnern noch am ehesten an die Klassiker der Gattung, doch obwohl Zahler diesen Eindruck forciert, verkommt Brawl In Cell Block 99 nie zum abstrakten Gewaltfilm. Das gute Drehbuch bewahrt die Protagonisten vor einem Schicksal als dümmliche Brutalo-Karikaturen und die hervorragenden Darsteller besorgen eine bodenständige Glaubwürdigkeit. Der eher aus dem komödiantischen Fach stammende Vince Vaughn beeindruckt durch seine enorme physische Präsenz, Schauspielikonen wie Udo Kier und Don Johnson beleben die Nebenrollen.

Obwohl der Film die Gewalt nach und nach steigert, mutiert sie nie zum spaßigen Mittel der Problemlösung. Das Drehbuch liefert eine klare Motivation für die notwendige Brutalität, die sich oft in kurzen, heftigen Schüben entlädt und dabei niemals „cool“ anmutet. Dementsprechend bleibt Brawl In Cell Block 99 vor allem aufgrund seiner nihilistischen Stimmung im Gedächtnis – sie ist so finster wie die Kellergewölbe unter dem Zellenblock 99.

★★★★★☆

Thriller

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auf formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.