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Die drei Tage des Condor

Ein Film von 
Genre: Thriller | Strömung: New Hollywood | Erscheinungsjahr: 1975 | Jahrzehnt: 1970 - 1979 | Produktionsland: USA
Die drei Tage des Condor liefert das für die Siebziger Jahre typische Spannungskino – geradlinig, eher realistisch gehalten und mit einer pessimistischen Stimmung versehen. Der Film von Sydney Pollack zählt zu den bekanntesten Paranoia-Thrillern dieser Ära.
Genre: Thriller
Strömung: New Hollywood
Erscheinungsjahr: 1975
Jahrzehnt: 1970 - 1979
Produktionsland: USA
Die drei Tage des Condor liefert das für die Siebziger Jahre typische Spannungskino – geradlinig, eher realistisch gehalten und mit einer pessimistischen Stimmung versehen. Der Film von Sydney Pollack zählt zu den bekanntesten Paranoia-Thrillern dieser Ära.

Filmkritik

Die drei Tage des Condor startet mustergültig: Sydney Pollacks ökonomische Regie etabliert Setting und Figuren binnen weniger Minuten. Wir lernen Joe Turner kennen, der sich auch als Mittdreißiger einen flapsigen Studentencharme bewahrt hat und für die American Literary Historical Society arbeitet. Hinter dieser Fassade verbirgt sich die CIA, für den die Belegschaft internationale Buchveröffentlichungen auf versteckte Codes und Nachrichten untersucht.

Turners Leben als Bücherwurm ist jedoch urplötzlich vorbei – als er vom Frühstückholen zurückkommt, findet er alle Kollegen ermordet vor. In dem Bewusstsein, dass er als letzter Überlebender auf der Abschussliste der Killer steht, taucht Turner unter. Als die Notfallprozedur des CIA zum nächsten Mordanschlag führt, wird Turner klar, dass er sich auf der Flucht vor dem eigenen Arbeitgeber befindet.

Turner entpuppt sich als wunderbarer Protagonist. Weil er die Tätigkeiten von Geheimagenten nur aus Comics kennt und wir ihn oft zaudernd erleben, wirkt er glaubhaft und sympathisch. Doch Turner verfügt auch über eine bodenständige Cleverness, die ihn zum Filmhelden qualifiziert. Die konzentrierte, aber nie übertriebene Darstellung von Robert Redford rundet den positiven Eindruck ab.

Gesellschaft bekommt Redford von Faye Dunaway, deren Part zwiespältige Gefühle auslöst. Dunaway spielt ausgezeichnet und ihre Kathy besitzt im Gegensatz zu vielen anderen weiblichen Nebenfiguren eine erfrischende Ambivalenz. Allerdings benötigt der Film die Beziehung zwischen Turner und Kathy gar nicht.

Spätestens mit der obligatorischen Liebesszene verwässert Die drei Tage des Condor seine Essenz – anstatt unbequem zu sein, gibt uns der Thriller mit dieser so unnötigen wie klischeehaften Lovestory die Sicherheit eines lauen Hollywoodfilms.

Andere Elemente gleichen diesen Eindruck glücklicherweise aus. Turners dreitägige Flucht verläuft nicht innerhalb des dramaturgischen Korsetts konventioneller Thriller. Statt ständig aufs Tempo zu drücken, gönnt sich der Film immer mal wieder eine Auszeit und variiert dadurch die Bedrohungslage.

An Suspense mangelt es Die drei Tage des Condor trotzdem nicht. Auf ausufernde Actioneinlagen a la James Bond verzichtet Pollack und hält den Einsatz von Schusswaffen kurz und realistisch. Dadurch wirkt die Gewalt stets destruktiv und bedrohlich.

Diese trockene Tödlichkeit verkörpert Max von Sydow als Auftragskiller Joubert perfekt. Sobald er eine Szene betritt, erhöht sich das Spannungsniveau drastisch. Dabei bleibt Joubert bis zum Ende unergründlich, denn er tötet unparteiisch:

„I don’t interest myself in ‚why‘. I think more often in terms of ‚when‘, sometimes ‚where‘ … and always ‚how much‘.“

Die drei Tage des Condor wurde 1974 gedreht – dem Jahr, in dem Präsident Richard Nixon infolge des Watergate-Skandals zurücktrat und sich das Vertrauen in amerikanische Regierungsinstitutionen auf einem Tiefpunkt befand. Und so mutmaßt auch Turner über seine Verfolger: „Maybe there’s another CIA, inside the CIA.“

Da die Erzählperspektive an den unwissenden Protagonisten gekoppelt ist, erhalten wir kaum Einblicke in die Machenschaften des Geheimdienstes. Dennoch findet Die drei Tage des Condor immer wieder andeutungsreiche Dialoge, die das Wesen der staatlichen Institutionen hinterfragen.

Das Finale des Films enttäuscht zunächst durch sein Understatement, der Pessimismus der letzten Szene wächst aber über den Abspann hinaus.

★★★★☆☆

New Hollywood

Mitte der Sechziger Jahre gelangte das traditionelle Hollywood-Kino an einen kreativen Nullpunkt, der eine neue Strömung ermöglichte. Das New Hollywood legte die kreative Kontrolle der Produzenten in die Hände junger Regisseure, die so unkonventionelle Filme drehen konnten. Gesellschaftskritische Werke mit Außenseitern als Protagonisten sorgten für die Wiederbelebung des amerikanischen Kinos.

Filmszene aus Die letzte Vorstellung

Thriller

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auf formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.

Filmszene aus Ronin

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Foto Tom Schünemann

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.
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