In Australien zählte Mark Brandon „Chopper“ Read zu den polarisierendsten Prominenten und mauserte sich vom Verbrecher zum Medienstar. Sieben Jahre, bevor der Drehbuchautor und Regisseur Andrew Dominik mit Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford ein viel beachtetes Hollywooddebüt vorlegte, drehte er einen absurden Thriller über Read.

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Filmkritik:

Chopper sollte aber nicht als klassisches Biopic missverstanden werden. Nachdem Read wegen übler Gewalttaten im Gefängnis landete und durch einen von ihm verfassten Beststeller zum Medienstar aufstieg, strickte der Gangster eifrig an seiner Legende. Zahllose Geschichten und Anekdoten ranken sich um ihn, die Faktenlage ist wenig überschaubar. Dementsprechend scherrt sich Dominik letztlich wenig um den Wahrheitsgehalt des von ihm Erzählten, sondern mischt munter Fakten und Fiktion und inszeniert Reads Leben als grellen Episodenfilm.

Dabei spielt der Regisseur begeistert mit den sich bietenden Kontrasten. Visuell unterscheidet Chopper stark zwischen dem Leben im Gefängnis und außerhalb der Mauern. Wo die Haftanstalten als unnatürlich düster und vornehmlich in kalten Blau- und Grautönen gehalten sind, gerät die Inszenierung der Außenwelt deutlich hektischer und farbenfroher. In beiden Welten begeistert Eric Bana in der Hauptrolle mit einem verrückten Charme und enormer Präsenz.

Banas Darstellung bleibt jedoch der einzige Pluspunkt dieses fragwürdigen Films, der auch inhaltlich auf herbe Kontraste setzt. Chopper zählt zu den zahlreichen Epigonen der Tarantino-Ära, die brutale Gewalt mit trockenem Humor mischen, was hier angesichts der zumindest teilweise wahren Begebenheiten für einige Irritation sorgt. Je schrecklicher sich die gezeigte Brutalität des Protagonisten Bahn bricht, desto schwarzhumoriger inszeniert Dominik das Geschehen. Das wirft die Frage auf, welche Haltung der Regisseur seinem Protagonisten entgegenbringt.

An Reflexion scheint hier jedenfalls niemandem gelegen zu sein – das auf Kultfilm gebürstete Drehbuch weidet sich förmlich an den Taten von Read, dessen verschrobener Moralvorstellung und seiner Paranoia, entspricht damit exakt der Selbstdarstellung des an 19 Morden beteiligten Psychopathen und grenzt an Verherrlichung, wenn Dominik seinen Protagonisten auch noch als coolen Helden inszeniert. Wie auch Nicolas Winding Refns ganz ähnlich gelagerter Film Bronson opfert auch Chopper seinem Unterhaltungsanspruch jegliche moralische Haltung.

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DAS GENRE

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auch formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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