Cruising

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

Mit Cruising drehte William Friedkin einen der kontroversesten US-Filme der Achtziger Jahre, der aus einer inzwischen unaufgeregteren Perspektive eine ganz eigene Qualität hat. Was Cruising vor allem auszeichnet ist, was er nicht ist – kein reißerischer Thriller (es gibt keine einzige Actionszene), kein klassischer Polizeifilm (ähnlich wie schon in Friedkins French Connection besteht die Polizeiarbeit aus passiven, ziellosen Aktionen) und so gut wie gar nicht homophob (auch wenn diese Sicht früher gang und gäbe war.)

Im Gegenteil: Wenn der vom hervorragenden Al Pacino gespielte Undercoverbulle in die dunklen S/M-Bars und Pornokinos wie in eine Unterwelt hinabsteigt und die Lederszene aggressiv und zerstörerisch wirkt, dann, weil Pacinos Figur sie so empfindet – Friedkin verdammt in Cruising nicht das schwule Milieu, sondern schildert die Perspektive des Außenstehenden. Und dieser kann sich interessanterweise mehr und mehr identifizieren, schlüpft immer nachhaltiger in die Rolle als Homosexueller und verhält sich immer reservierter seiner Freundin gegenüber.

In der zweiten Filmhälfte wird das schwule Milieu nicht nur deutlich ambivalenter gezeichnet, auch scheint die Ermittlungsarbeit zunehmend in den Hintergrund zu rücken, nur noch Mittel zum Zweck zu sein. Während die Krimihandlung von Cruising dementsprechend nicht viel hermacht und der zu suchende Killer auch nicht viel Angriffsfläche bietet, gerät Friedkins Werk immer mehr zum Fragen aufwerfenden Porträt des Protagonisten.

Insbesondere das Ende des Films erweist sich als Clou, der einerseits die Beziehung von Pacinos Figur zu seiner Freundin (und damit seine sexuelle Identität) in Zweifel zieht, zum anderen gar Pacino als potenziellen Mörder dastehen lässt und somit eine große Verunsicherung beim Zuschauer auslöst – eine Qualität des Films, kein Malus.

Handlung:

Als ein Serienkiller in New York zahlreiche homosexuelle Männer umbringt, setzt die Polizei den ehrgeizigen Streifenpolizisten Steve Burns auf den Fall an – er soll die S/M-Szene „infiltrieren“ und nach möglichen Mördern Ausschau halten. Passenderweise passt Burns exakt in das Opferprofil des Killers. Getrieben von der Dringlichkeit seines Auftrages und verunsichert von den bedrohlich wirkenden Ritualen und Codes der Schwulen in Lederkluft, zerrt die Arbeit stark an den Nerven des Cops – er verändert sich immer mehr…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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