Dank Wolfgang Petersens Das Boot wurde das deutsche Kino 1981 wieder salonfähig. Satte sechs Oscarnominierungen erhielt der Film von Wolfgang Petersen und erzielte ein stattliches Einspielergebnis, was dem Regisseur und seinem Hauptdarsteller Jürgen Prochnow den Weg nach Hollywood ebnete.

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Filmkritik:

Der Erfolg im englischsprachigen Ausland verwundert wenig, denn Petersen drehte einen lupenreinen Blockbuster: Ganze 208 Minuten nimmt sich der Film im Directors Cut Zeit für seine Geschichte, die mit 32 Millionen Mark, dem seinerzeit zweitgrößten Budget der deutschen Historie, realisiert wurde.

Der beachtlichen Spielzeit zum Trotz erweist sich Das Boot als hochgradig spannender Film, der sein Publikum geschickt zu einem Teil der Mannschaft macht. Dank der gleichnamigen Romanvorlage von Lothar-Günther Buchheim, der selbst als Kriegsberichterstatter diverse Feindfahrten absolvierte, gelingt es Petersens Werk, ein überaus stimmungsvolles Bild des hermetisch abgeriegelten Mikrokosmos im U-Boot zu zeichnen. Die Romanvorlage stattet das Szenario mit einer Reihe charaktervoller Figuren aus, die aufgrund ihrer regen Lebendigkeit für einiges Identifikationspotenzial sorgen. Die namhafte Darstellerriege um Jürgen Prochnow, Martin Semmelrogge, Herbert Grönemeyer und Erwin Leder sorgt für weitere Ecken und Kanten.

Auch die dichte Atmosphäre zählt zu den Stärken des Films. Neben der herausragenden Tonspur, die ihre Funktion weniger über Musik, sondern hauptsächlich über die intensive Geräuschkulisse ausführt, erhält Das Boot vor allem durch die überraschend mobile Kamera von Jost Vacano, der später ebenfalls in Hollywood durchstartete und mit Paul Verhoeven unter anderem Starship Troopers und RoboCop drehte, viel Dynamik. In teilweise überraschend langen Einstellungen gleitet Vacanos Handkamera gekonnt durch den klaustrophobisch engen Nachbau des Weltkriegs-U-Bootes und bahnt sich dabei auf mitreißende Weise den Weg vorbei an Instrumenten und Besatzungsmitgliedern, was gerade in den Actionszenen eine immense Wirkung erzielt und technisch herausragend gemacht ist.

Als bemerkenswert erweist sich auch die Dramaturgie des Films, der über weite Strecken auf Action verzichtet und stattdessen vornehmlich den enervierenden Alltag der Besatzung zeigt, ohne an Spannung zu verlieren – gerade das Warten auf das nächste Gefecht nährt den Unterhaltungswert und gibt dem Drehbuch die Gelegenheit, uns die Soldaten näher vorzustellen.

Durch diese Herangehensweise an sein Thema entzieht sich Das Boot auch der Frage, ob es sich um einen Antikriegsfilm handelt. Aus meiner Sicht handelt Petersens Werk zuallererst über Männer in einer ungeheuren Drucksituation, wofür der Zweite Weltkrieg lediglich den Rahmen bietet. Wer den Film dennoch auf seine ideologische Haltung abklopfen will, findet genügend Material.

Insbesondere die Offiziere an Bord werden durchaus als differenziert denkende Soldaten geschildert, die dem Führerkult nichts abgewinnen können und dem Kriegstreiben der Nationalsozialisten kritisch gegenüberstehen. Die brutale Sinnlosigkeit des Krieges kommt dann vor allem im Finale zur Geltung, das das Publikum nach der packenden dreieinhalbstündigen Tour de Force melancholisch zurücklässt.

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DIE ÄRA

Nach zwei Jahrzehnten, die sich zunehmend auf anspruchsvolle Werke fokussierten, fand in den Achtziger Jahren ein Umschwung statt. Genrefilme erlebten ein Comeback und Hollywood setzte zunehmend auf aufwendige Blockbuster. Das Unterhaltungskino begann, die Kinolandschaft zu dominieren.

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Obwohl das Genre auf ein spezifisches Thema festgelegt ist, bieten sich dem Betrachter eine Vielzahl Subtexte und Motive. Während Kriegsfilme sich vornehmlich auf Abenteuer, Kameradschaft und Heldenmut konzentrieren, eröffnen sich im Antikriegsfilm eine Vielzahl von Themen: Moral und Menschenrechte, der Horror und die Absurdität des täglichen Grauens oder die perverse Systematik dahinter.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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